Sendker, Jan-Philipp: Herzenstimmen


Genre: Roman, zeitgenössisch

Reihenfolge der Serie:
Teil 1: Das Herzenhören
Teil 2: Herzenstimmen

Kurzbeschreibung:
Zehn Jahre ist es her, dass Julia Win aus Burma als anderer Mensch zurückgekehrt ist. Doch mittlerweile hat sie das rastlose westliche Leben und ihre Karriere in einer New Yorker Anwaltskanzlei wieder eingeholt. Da erreicht sie ein rätselhafter Brief ihres Halbbruders U Ba, und eine fremde, innere Stimme beginnt zu ihr zu sprechen. Bald erkennt sie, dass sie noch einmal zurück muss nach Burma, um dem Geheimnis dieser Stimme auf den Grund zu gehen und die Quelle ihres persönlichen Glücks wiederzuentdecken.

Meine Einschätzung:
Hach, ich weiß auch nicht. Während ich vom ersten Teil „Das Herzenhören“ noch begeistert war, hat mich „Herzenstimmen“ nicht wirklich überzeugt. Ich fand Julia dieses Mal richtig unsympathisch und konnte nicht nachvollziehen, warum sie ausgerechnet Juristin in einer unmenschlichen Kanzlei geworden ist, nachdem sie schon mal so intensiv in einen andere Welt eingetaucht war. Außerdem fand ich die Idee dieser inneren Stimme nicht gut und ohne zu verraten, was sich dahinter verbirgt: mir war diese Geschichte einfach zu düster und traurig und stellenweise nicht nachvollziehbar.
Trotzdem habe ich die Geschichte fertig gelesen, denn der Autor hat einen sehr angenehmen Schreibstil und ich mag die Bilder, die er in meinem Kopf erschafft.
Die Geschichte nimmt auch irgendwann einen positiven Verlauf, was mein sensibles Leserherzchen versöhnt hat, dass einfach gerne Happy-Ends hat :-).


Mein Fazit:

„Herzenstimmen“ konnte mich nicht überzeugen, weil mir die Geschichte zu traurig war und ich nicht gerne von leidenden Kindern lese.

Simsion, Graeme: Der Rosie-Effekt


Genre: Roman, zeitgenössisch

Reihenfolge:
Das Rosie-Projekt
Der Rosie-Effekt

Kurzbeschreibung:
O Baby! Für Don, den unwahrscheinlichsten romantischen Helden, den es je gab, geht’s nach dem Happy-End geht’s erst richtig los.
Don Tillmans »Ehefrau-Projekt« hat geklappt. Er lebt mit Rosie in New York. Und Rosie ist schwanger. Don will natürlich der brillanteste werdende Vater aller Zeiten sein, stürzt sich in die Forschung und entwickelt einen wissenschaftlich exakten Schwangerschafts-Zeitplan für Rosie.
Aber seine ungewöhnlichen Recherchemethoden führen erstmal dazu, dass er verhaftet wird. Was Rosie auf keinen Fall erfahren darf, um ihre Beziehung nicht zu belasten. Also muss Don improvisieren, seinen Freund Gene einspannen und Lydia, die Sozialarbeiterin, davon überzeugen, dass er ein Superdad sein wird. Bei alledem übersieht er fast das Wichtigste: seine Liebe zu Rosie und die Gefahr, sie genau dann zu verlieren, wenn sie ihn am meisten braucht.

Meine Einschätzung:

Die beiden Rosie-Bände sind zurecht Bestseller und Rezis gibt es eh wie Sand am Meer. Ich mag Dons und Rosies Geschichte sehr, die bei allem Witz doch auch tiefsinnig ist und unter die Haut geht. Bei manchen Szenen habe ich laut auf meiner Strandliege gelacht, was mir irritierte Blicke aus der Nachbarschaft eintrug. Herrlich!
Ein Satz von Don, der sich in gewohnter Weise wissenschaftlich mit dem Thema „Ernährung in der Schwangerschaft“ auseinandersetzt, ist bereits in meinen Sprachgebrauch übergegangen, wenn ich mal wieder unbewiesene bzw. zweifelhafte Ergebnisse irgendwelcher Studien lese/höre: Dazu will ich erst mal die Primärdaten sehen! 🙂 Großartig.

Mein Fazit:
Ein Bestseller, der es verdient hat!

Donnelly, Jennifer: Das Licht des Nordens


Genre: Roman, historisch

Kurzbeschreibung:
Der 12. Juli 1906 ist ein schöner, sonniger Tag. Bis man die ertrunkene Grace Brown auf die Veranda des vornehmen Glenmore Hotel legt. Für die junge Mattie, die die Briefe der Toten an ihren Geliebten aufbewahrt, ändert sich mit diesem tragischen Ereignis das ganze Leben … Jennifer Donnelly, die sich von einem wahren Mordfall zu diesem Roman inspirieren ließ, erzählt die ergreifende Geschichte eines jungen Mädchens, das der ländlichen Enge ihrer Heimat zu entfliehen versucht – fesselnder Entwicklungsroman, Kriminalgeschichte und tragischer Liebesroman zugleich.

Meine Einschätzung:

Der Kurzbeschreibung ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ich mag die Romane der Autorin, ihre Art, Geschichten zu erzählen, wenn auch diese recht traurig ist.

Mein Fazit:
Jennifer Donnellys Romane treffen genau meinen Lesegeschmack und auch dieser hat mir wieder gut gefallen.

Romane von Jennifer Donnelly bei der leseratteffm:
Die Wildrose
Die Winterrose
Straße der Schatten
Das Licht des Nordens

Musso Guillaume: Vierundzwanzig Stunden


Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Lisa träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Um sich ihr Studium zu finanzieren, arbeitet sie in einer Bar in Manhattan. Dort macht sie eines Abends die Bekanntschaft eines faszinierenden, aber rätselhaften Mannes: Arthur Costello. Der junge Arzt hat eine ungewöhnliche Bitte: Lisa soll ihm dabei helfen, als Krankenschwester verkleidet seinen Großvater aus der Psychiatrie zu befreien. Sie lässt sich auf das Abenteuer ein. Zwar gelingt die nächtliche Aktion, doch verliert sie Arthur dabei aus den Augen. Erst ein Jahr später soll sie ihm wieder begegnen, aber diesmal ist sie es, die seine Hilfe braucht. Aus den beiden wird ein Liebespaar. Bald stellt sich heraus, dass Arthur kein Mann ist wie jeder andere. Er offenbart ihr sein schreckliches Geheimnis, und von nun an kämpfen beide gemeinsam gegen einen unerbittlichen Feind – die Zeit …

Meine Einschätzung:
Ich habe das Buch vor 3 Wochen gelesen und muß mich jetzt ganz arg anstrengen, um mich an die Geschichte zu erinnern. Das ist schon mal ein schlechtes Zeichen. Ein weiteres schlechtes Zeichen ist die Tatsache, dass ich mich an das verärgerte Gefühl nur zu deutlich erinnere, dass mir das Ende der Geschichte beschert hat. Darauf will ich jetzt natürlich nicht eingehen, um Euch nicht den Spaß zu verderben, aber es ist ja nicht das erste Mal, dass Musso mich in dieser und in anderer Hinsicht enttäuscht. Sicher, es gibt wieder überraschende Wendungen, die Geschichte hat eine coole Grundidee, die Protagonisten sind ganz nett, aber im Gegensatz zu Harry August, wird mir „Vierunszwanzig Stunden“ nicht lange im Gedächtnis bleiben. Mir ist dieser Roman auch zu kurz, 300 und ebbes Seiten und die mit einem riesigen Zeilenabstand und in großen Buchstaben. Vielleicht wird da ein Autor von seinem Erfolg gezwungen, schnell und viel zu schreiben und dabei bleibt sein eigentliches Talent auf der Strecke und heraus kommt Junk-Food-Erzählungen. Schade. Oder ist jemand von Euch anderer Meinung???

Mein Fazit:
Die Grundidee des Romans hat mir gefallen, Musso schreibt gewohnt flüssig und wendungsreich, aber trotzdem war ich teilweise gelangweilt und zum Schluß enttäuscht.

Romane von Guillaume Musso:
Ein Engel im Winter (2005)
Ein himmlische Begegnung (2007)
Weil ich Dich liebe (2009)
Wirst Du da sein (2009)
Lass mich niemals gehen (2010)
Nachricht von Dir (2012)
Sieben Jahre später (2013)
Vielleicht morgen (2014)
Nacht im Central Park (2015)
Vierundzwanzig Stunden

Donnelly, Jennifer: Straße der Schatten


Genre: historischer Roman

Kurzbeschreibung:
1890, New York City. Für Josephine Montfort, die aus einer wohlhabenden New Yorker Handelsfamilie stammt, scheint das Leben vorgezeichnet: Nach der Schule eine arrangierte Ehe, Kinder und ein ruhiges, häusliches Leben. Aber Josephine hat andere Pläne: Sie möchte als Journalistin auf das Leben der weniger Privilegierten aufmerksam machen. Doch eine Familientragödie reißt sie jäh aus ihren Träumen – ihr Vater stirbt zu Hause durch seine eigene Waffe. Josephine glaubt nicht an einen Unfall und der attraktive Journalist Eddie Gallagher bestärkt sie in ihrem Verdacht. Zu zweit beginnen sie eine Spurensuche, die sie in die zwielichtigsten und gefährlichsten New Yorker Viertel führt – und setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel …

Meine Einschätzung:
Es gibt Romane, von denen lese ich die ersten 2 Seiten und weiß sofort: das wird eine wundervolle Geschichte, die ich lieben werde. Sozusagen Lese-Liebe auf den ersten Blick :-).
„Straße der Schatten“ ist so ein Roman. Die Geschichte der naiven, behüteten Josephine, die leichtsinnig, aber auch mutig aus ihrem Leben ausbricht, um den geheimnisvollen Mord an ihrem Vater aufzuklären, ist mitreißend und spannend erzählt und kein bisschen rührselig. Die junge Frau aus reichem Hause wird mit Armut, Gewalt und anderen Themen, an die sie nicht mal zu denken gewagt hätte, konfrontiert, während sie andererseits ihre Hochzeit mit einem reichen Reederssohn vorbereiten soll. Das klingt kitschig, ist es aber nicht.
Mehr will ich gar nicht von der Geschichte verraten.
Die Autorin trifft mir ihrer Art, Geschichten zu erzählen, genau meinen Geschmack. Die Protagonisten sind spannend, vielschichtig und liebenswert/hassenswert, die Handlungsorte werden sehr anschaulich beschrieben und die Gesellschaft wird so geschildert, wie ich sie mir vorstellen könnte.
Ähnlich gut gefiel mir vor einigen Jahren die Rosen-Trilogie der Autorin, die ich auch sehr gerne noch einmal weiter empfehle:
Die Teerose (dazu gibt es leider keine Rezi von mir)
Die Winterrose
Die Wildrose


Mein Fazit:

Ein wundervoller, historischer Roman über eine junge, mutige Frau, die aus ihrem behüteten Leben ausbricht, mit allen Konsequenzen.

Archer, Jeffrey: Das Vermächtnis des Vaters (2)


Genre: Roman, historisch

Reihenfolge der Clifton-Saga:
Teil 1: Spiel der Zeit
Teil 2: Das Vermächtnis des Vaters
Teil 3: Erbe und Schicksal
Teil 4: Im Schatten unserer Wünsche
Teil 5: Die Wege der Macht
Teil 6: Möge die Stunde kommen

Kurzbeschreibung:
Harry Clifton, aufgewachsen bei den Hafendocks in Bristol, und Giles Barrington, Nachkömmling einer großen Schifffahrt-Dynastie, verbindet seit ihrer Jugend eine tiefe Freundschaft. Aus der Enge des Arbeitermilieus hat Harry es auf eine Eliteschule geschafft und steht als junger Mann jetzt an der Seite seiner großen Liebe Emma, der Schwester von Giles. Mit dem Eintritt Englands in den Zweiten Weltkrieg 1939 werden die Schicksale beider Familien erschüttert. Giles gerät in Kriegsgefangenschaft und Harry verschlägt es von Bristol nach New York, wo er eines Mordes angeklagt und verhaftet wird. Emma, macht sich auf, um den Mann zu retten, den sie liebt …

Meine Einschätzung:
Hachja, die Serie hat das Zeug zum Lieblingsschmöker. Die Geschichte wird aus der Sicht der verschiedenen Hauptfiguren erzählt, was ich ganz reizvoll finde, da man den Figuren so schön nahe kommt. Es gibt jede Menge romantische, witzige, gefühlvolle, tragische oder spannende Szenen und man mag das Buch kaum aus der Hand legen.
Vielleicht ist mir das gerade zu viel von alledem? Aber nein, ich habe den Schinken in zwei Tage verschlungen und der nächste Band liegt auch schon bereit.

Mein Fazit:
Historischer Schmöker mit Schmachtfaktor gesucht??? Na dann, rann an die Clifton-Saga ;-).

Kobr, Michael & Klüpfl, Volker: In der erste Reihe sieht man Meer

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Teutonengrill trifft Dolce Vita
Mensch, war das schön:
Im Morgengrauen ging’s los, eingepfercht auf der Rückbank der vollbeladenen Familienkutsche.
Zehn Stunden Fahrt an die Adria, ohne Klimaanlage und Navi, dafür mit Modern Talking aus dem Kassettenradio.
Am Strand ein Duftgemisch aus Tiroler Nussöl und Kläranlage, und statt Cappuccino gab’s warme Limo.
Willkommen zurück im Urlaubsparadies der 80er Jahre.
Darin findet sich Familienvater Alexander Klein wieder, als er über einem Fotoalbum einnickt und als pickliger Fünfzehnjähriger erwacht – dazu verdammt, die Italien-Premiere seiner Jugend noch einmal zu erleben. Und zwischen Kohlrouladen und Coccobellomann die beste Zeit seines Lebens hat.

Meine Einschätzung:
Dieser Urlaubsroman der beiden Allgäuer Krimiautoren ist jetzt nicht brüllend komisch, originell oder spannend, aber durchaus unterhaltsam.
Allerdings würde ich mal behaupten, dass nur die Generation, die diese Zeit selbst miterlebt hat, Spaß an diesen Schilderungen hat.
Ich hatte jedenfalls ständig Déjà-vus und ich weiß jetzt gar nicht, ob ich nicht eher über meine eigenen Erinnerungen gegickelt habe.
Wir sind 1600 km zu viert im Auto bis nach Ischia gefahren (bekloppt). Oma und Opa im zweiten Auto hinterher. Unser Corleone hieß Antonio und er hatte exakt den gleichen Akzent wie das literarische Vorbild und lebte auf Ischia. Meine Mama war mit den hygienischen Zuständen unserer Unterkunft sehr unglücklich (hysterisch) und zwang Papa komplett neues Geschirr zu kaufen, weil sie von dem vorhandenen Geschirr nicht essen wollte. Auf keinen Fall! 🙂
Ich habe geheult, als mein Papa mir das erste Spagetti-Eis meines Lebens kaufen wollte, denn kalte Nudeln mit Schlagsahne konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen…
Der Roman lebt also von den eigenen Erinnerungen und Erfahrungen. Ob meine Kinder was damit anfangen könnten, wage ich zu bezweifeln.

Mein Fazit:
Nette, stellenweise witzige Lektüre, aber der Pfiff hat mir irgendwie gefehlt.

Day, Marele: Die Bräute des Himmels


Genre: Roman

Kurzbeschreibung:
Drei Nonnen, unzählige Schafe und ein junger unschuldiger Priester in einem halbverfallenen Kloster auf einer einsamen Insel – da muß es zu Turbulenzen kommen. Ein komisch-erotischer, spannender und philosophischer Roman der bekannten australischen Autorin Marele Day.

Meine Einschätzung:
Skurril: sonderbar, absonderlich anmutend, auf lächerliche oder befremdende Weise eigenwillig; seltsam
Dieser Roman ist genau das: seltsam, bizarr, eben skurril und ich frage mich immer noch, was mir die Autorin eigentlich sagen wollte???
Ich kann auch skurrilen Geschichten durchaus etwas abgewinnen, aber dieser merkwürdige Roman über drei Nonnen, die von der Welt vergessen in einem verfallenen Kloster leben, merkwürdige katholizistische Rituale abhalten und ihre Schafe für die Reinkarnationen ihrer verstorbenen Schwestern halten, ist mir dann doch eine Nummer zu schräg. Zugegebenermaßen hat die Autorin ein Talent dafür, Situationen, Landschaften und Objekte sehr intensiv zu beschreiben und sie hat auch interessante Idee, z.B. dass die Nonnen an einer Decke stricken, in die sie ihre tagtäglichen Erlebnisse und Ereignisse einstricken.
Aber eigentlich habe keine Lust, mich 370 Seiten lang durch seltsame Dinge zu lesen, denn die eigentliche Handlung versteckt sich in diesen langen, langen Beschreibungen.
Komisch fand ich den Roman an keiner Stelle, erotisch schon mal überhaupt nicht und der philosophische Aspekt hat sich mir auch nicht erschlossen.

Mein Fazit:
Dieser skurrile, merkwürdige Roman aus dem Jahr 1998 kann meiner Meinung nach getrost in den Antiquariaten dieser Welt verstauben.

Glattauer, Daniel: Geschenkt


Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Gerold Plassek ist Journalist bei einer Gratiszeitung. Bei ihm im Büro sitzt der 14-jährige Manuel, dessen Mutter im Ausland arbeitet. Er beobachtet Gerold beim Nichtstun und ahnt nicht, dass dieser Versager sein Vater ist. Gerold fehlt jeder Antrieb, die Stammkneipe ist sein Wohnzimmer und der Alkohol sein verlässlichster Freund. Plötzlich kommt Bewegung in sein Leben: Nach dem Erscheinen seines Artikels über eine überfüllte Obdachlosenschlafstätte trifft dort eine anonyme Geldspende ein. Das ist der Beginn einer Serie von Wohltaten, durch die Gerold immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt. Und langsam beginnt auch Manuel, ihn zu mögen …

Meine Einschätzung:
Glattauers Hauptfigur Gerold ist ein Looser, wie er im Buche steht ;-), aber ein unglaublich sympathischer und glaubwürdiger Kerl, der durchaus in der Lage ist, sein Tun und Sein zu analysieren. Sein Leben wird buchstäblich auf den Kopf gestellt, als er mit einem Sohn konfrontiert wird und zudem ins Licht der Öffentlichkeit gerät, weil seine Artikel offenbar einen Wohltäter zu Spenden anregen.
Mir hat sehr gut gefallen, wie Glattauer beschreibt, wie sein Protagonist versucht, eine Verbindung zu dem bockigen Teenager zu bekommen. Natürlich hat der Autor das ein klein wenig schöngefärbt, aber warum auch nicht?
Großartig fand ich die Schilderung der „Spenden-Affäre“, in der der Autor die Medienlandschaft auf’s Korn nimmt. Mit Lügen, Halbwahrheiten und Spekulationen wird Meinung gemacht, auf Kosten der Betroffenen, egal ob sie tatsächlich involviert sind. Die Auflagenzahl und die Anzahl der Werbekunden bestimmen das journalistische Geschäft.
Ich mag jedenfalls Glattauers Stil sehr, der sich so schön liest und ich freue mich immer über die eingestreuten österreichischen Begriffe.

Mein Fazit:
„Geschenkt“ ist ein wunderbarer Roman, vielleicht ein wenig kitschig, aber auf jeden Fall herzerwärmend und unterhaltsam.

Jacobs, Anne: Die Tuchvilla (1)


Genre: historischer Roman

Reihenfolge der Serie:
Teil 1: Die Tuchvilla
Teil 2: Die Töchter der Tuchvilla
Teil 3: Das Erbe der Tuchvilla

Kurzbeschreibung:
Augsburg, 1913. Die junge Marie tritt eine Anstellung als Küchenmagd in der imposanten Tuchvilla an, dem Wohnsitz der Industriellenfamilie Melzer. Während das Mädchen aus dem Waisenhaus seinen Platz unter den Dienstboten sucht, sehnt die Herrschaft die winterliche Ballsaison herbei, in der Katharina, die hübsche, jüngste Tochter der Melzers, in die Gesellschaft eingeführt wird. Nur Paul, der Erbe der Familie, hält sich dem Trubel fern und zieht sein Münchner Studentenleben vor – bis er Marie begegnet …

Meine Einschätzung:
Hachja, ich will nicht ungerecht sein. Historische Romane dieses Schlages sind offenbar gerade „angesagt“ und eine Saga, die in Deutschland angesiedelt ist, ist auch mal eine wohltuende Abwechslung zu den ganze Briten, Amis, etc … ;-).
Die Elemente, aus der sich die Geschichte zusammensetzt, armes Waisenkind samt unklarer Herkunft, adlige/reiche Familie, die dazugehörigen exzentrischen Kinder, das loyale Hauspersonal, unausgesprochene Geheimnisse: das kommt einem schon irgendwie bekannt vor, oder???? Ich mußte jedenfalls zwischendurch immer grinsend an Downton Abbey denken und auch die Parallelen zu Jeffrey Archers „Clifton Saga“ sind unverkennbar.
Freunde des Genres werden also ganz sicher ihre Freude an diesem Roman haben.
Mir hat indes der Glitzereffekt in der Geschichte gefehlt. Die Figuren sind so bodenständig und nett und eben auch langweilig.
Kommen wir zu einem Thema, das mich viel mehr interessiert hat. Ein „geschlossenes“ Pseudonym. Genau, Anne Jacobs ist ein geschlossenes Pseudonym. Die Autorin hat schon einige andere Werke unter anderem Namen veröffentlicht und offenbar hat sich der Verlag entschlossen, einen neuen, passenden Namen für dieses neue Projekt zu verwenden.
???
Dieses Vorgehen kennt der interessierte Leser natürlich von diversen anderen Autoren, die unter den verschiedensten Namen schreiben. Eine Begründung dafür lautet, dass die Autoren so nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt seien und z.B. Kinderbücher und gleichzeitig Thriller schreiben können und dass manche Autorennamen nicht zu bestimmten Genres passen würden. Außerdem bekommen Autoren, die für verschiedene Verlage schreiben, für jeden Verlag einen eigenen Autorennamen verpaßt.
Ich finde keines dieser Argumente überzeugend. ICH kaufe die meisten Bücher, weil ich einen bestimmten Autoren gerne lesen mag oder weil mich die Geschichte interessiert und da ist mir in der Regel wurscht, welchen Namen er verwendet. Wenn nun ein Autor ein Buch in einem Genre schreibt, das mich nicht interessiert, dann lese ich es oder nicht (dafür habe ich diverse Beispiele parat :-)). Ich fühle mich jedenfalls von der Verlagen veräppelt, weil dort offenbar angenommen wird, dass sich die Leser nicht informieren. Das mag sicher auf einige Leser zutreffen, aber wer sich wirklich für Bücher und Autoren interessiert, der durchschaut die wirre Pseudonym-Welt doch nach einigen Minuten Recherche! Grmpf.
Wer hinter dem Pseudonym „Anne Jacobs“ steckt, habe ich nach 5 Minuten Internet-Recherche herausgefunden. Die Autorin, die im Taunus lebt, hat unter den Namen:
Hilke Müller
Hilke Sellnick
Nora Brahms
Leah Bach
und jetzt als Anne Jacobs verschiedenste Bücher veröffentlicht.
Ändert das jetzt irgendetwas an meiner Einschätzung zum vorliegenden Buch???? Nein.
Nun kann man natürlich argumentieren, dass es mir doch dann auch egal sein könnte, unter welchem Namen geschrieben wird, aber mir gefällt grundsätzlich der Ansatz nicht, dass der Leser absichtlich und bewußt hinters Licht geführt und für blöd verkauft wird!

Mein Fazit:
Freunde des historischen Romans werden sich mit der „Tuchvilla“ sicher gut unterhalten. Mir war die Geschichte ein klein wenig zu unaufgeregt ;-).

Wood, Barbara: Dieses goldene Land


Genre: historischer Roman, Hörbuch

Kurzbeschreibung:
Aus der Enge des viktorianischen England flieht die Arzttochter Hannah in die Weiten Australiens. Schon auf der Überfahrt begegnet sie dem Naturforscher Neal, der eine Expedition in die unerforschten Regionen des fünften Kontinents führen will. Dort taucht er ein in die mystische Welt der Aborigines. Während Hannah noch um seine Rückkehr bangt, gerät sie selbst in die Hände von rauen Schatzsuchern. Mit ihnen zieht sie mitten hinein in das Herz der Wildnis…
Vor der beeindruckenden Kulisse der ungezähmten Landschaft Australiens sucht Hannah nach ihrer Bestimmung.

Meine Einschätzung:
Der Roman „Traumzeit“ der Autorin, den ich in den 90iger Jahre gelesen habe, ist mir immer noch in Erinnerung, weil ich ihn faszinierend, spannend und einfach toll fand und gehört zu den Büchern, die ich nie weggeben würde.
Diesen Stellenwert wird „Dieses goldene Land“ nicht ganz erreichen, aber ich habe mir die bewegende Geschichte der jungen, britischen Hebamme Hannah ganz gerne angehört. Allerdings fehlte mir bei der Geschichte der Tiefgang. Die Protagonisten sind nicht ausführlich genug beschrieben, ihre Gedanken und Beweggründe bleiben sehr an der Oberfläche und die tragische Entwicklung für die australischen Ureinwohner, die von goldsuchenden, barbarischen Horden überschwemmt wurden, bleibt fast unerwähnt.

Mein Fazit:
Netter historischer Roman, der in Australien spielt, der aber sehr oberflächlich daher kommt.

Franklin, Ariana: Der Fluch der Totenleserin (4)


Genre: Historischer Roman

Reihenfolge der Serie:
Teil 1: Die Totenleserin
Teil 2: Die Teufelshaube
Teil 3: Der König und die Totenleserin
Teil 4: Der Fluch der Totenleserin

Kurzbeschreibung:
Außer sich vor Wut nimmt Adelia den Befehl Heinrichs II. entgegen, seine Tochter nach Sizilien zu begleiten. Die Reise ist lang und gefährlich. Doch mehr als Kriege und Pest beunruhigen Adelia die heimtückischen Morde, die in dem riesigen Tross passieren. Trachtet man der Prinzessin nach dem Leben? Weiß einer von dem geheimnisvollen, magischen Schwert, das die Prinzessin mit sich führt? Und warum versucht jemand, Adelia als die Mordverdächtige aussehen zu lassen? Die gewitzte Pathologin spürt, wie eine unsichtbare Gefahr ihr immer näher kommt, doch sie kann den wahren Mörder nicht enttarnen. Als Adelia aufgrund ihrer Arbeit in Frankreich von einem Bischof als Ketzerin bezeichnet und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wird, sieht sich ihr größter Feind in der Gefolgschaft der Prinzessin endlich am Ziel. Er wird sie leiden und sterben sehen ..

Meine Einschätzung:
Der vierte Teil der Serie um die Ärztin und Totenleserin Adelia ist wieder ein spannender, prachtvoller mittelalterlicher Schmöker.
Die beherzte Adelia und ihre Gefährten, der wortkarge Maure Mansur, der kampferprobte Bischof und Liebhaber Rowley und ein stinkender Hundewelpe erleben eine abenteuerliche Reise durch das mittelalterliche Europa. Sie werden verehrt, verfolgt, gefangen genommen und fast hingerichtet, gerettet und verlieren sich wieder, so dass ich teilweise hektisch die Seiten umgeblättern mußte, weil es so spannend war ;-).
Ariana Franklin alias Diana Norman verstand es in einzigartiger Weise, ihre Leser zu unterhalten. Humorvoll und unter Bezugnahme auf tatsächliche historische Ereignisse schrieb sie eine tolle Geschichte.
Leider verstarb die Autorin 2011, so dass diese Serie unvollendet blieb (was auch der Grund ist, warum der Teil so lange auf meinem SuB geschlummert hat …).
Aber ich habe jetzt einfach selbst in Gedanken die Geschichte weitergesponnen :-).
Und weil mir das Lesen dieses historischen Romans so viel Freude gemacht hat, werde ich mir demnächst den 3. Teil von Martina Andrés Ritter-Saga schnappen :-).

Mein Fazit:
Die vierteilige Roman-Serie von Ariana Franklin ist ein wunderbarer Lesespaß für Freunde historischer Romane. Unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen.

Allende, Isabel: Der japanische Liebhaber


Genre: Roman

Kurzbeschreibung:

Für Irina ist der neue Job ein Glücksfall. Die junge Frau soll für die Millionärin Alma Belasco als Assistentin arbeiten. Mit einem Schlag ist sie nicht nur ihre Geldsorgen los, sondern gewinnt auch eine Freundin, wie sie noch keine hatte: extravagant, überbordend, mitreißend und an die achtzig. Doch bald spürt sie, dass Alma verwundet ist. Eine Wunde, die nur vergessen scheint, wenn eines der edlen Kuverts im Postfach liegt. Aber wer schreibt Woche um Woche diese Liebesbriefe? Und von wem stammen all die Blumen? Auch um sich von den eigenen Lebenssorgen abzulenken, folgt Irina den Spuren, und es beginnt eine abenteuerliche Reise bis weit in die Vergangenheit.

Isabel Allende erzählt von Freundschaft und der unentrinnbaren Kraft einer lebenslangen Liebe. Davon, wie Zeit und Zwänge über eine solche Liebe hinweggehen und sie verwandeln, in Verbundenheit, Wehmut und ein leises Staunen – darüber, schon so lange gemeinsam unterwegs zu sein.

Meine Einschätzung:

Ich hatte das große Glück, die Autorin im November 2015 live bei einer Lesung mit Interview erleben zu dürfen. Was für ein quirliges, lebenslustiges Persönchen :-). Im schwarzen Glitzerdress und schelmisch funkelnden Augen plauderte die Autorin aus dem Nähkästchen und war mir unglaublich sympathisch.
Ich habe fast alle ihre Bücher gelesen und liebe ihre opulenten, fantasievollen Geschichten sehr.
Die Literaturkritik wiederum springt nicht gerade zimperlich mit Frau Allende und ihrem neuesten Roman um und äußert harsche Kritik, z.B. „Groschenromanödnis“, keine Überraschungen, „Trivialliteratur, die gnadenlos heruntererzählt wird“.
Hm.
Das mag ja alles stimmen, aber ich finde die Geschichte von Alma sehr berührend und Frau Allende geht so liebevoll, ehrlich und pragmatisch mit dem Thema Krankheit, Altern und Sterben um.
Natürlich bedient sie sämtliche Klischees und übertreibt an der einen oder anderen Stelle gnadenlos (begabte Malerin mit Down-Syndrom, schwuler Ehemann, Kinderpornographie, Hippie-Altersheim, …), aber meine Erfahrung hat mich gelehrt: das wirkliche Leben ist oft genauso: voller Klischees und verrückter Zufälle und verrückter Menschen, also warum darf man das nicht in einem Roman schreiben???
Ich habe mich jedenfalls bestens mit der Geschichte unterhalten. Sie ist bildreich, opulent, voller interessanter Charaktere und Orte und überhaupt nicht langweilig.
Jetzt ärgere ich mich, dass mich die negativen Kritiken der letzten drei Bücher der Autorin davon abgehalten haben, diese zu lesen. Daran sieht man mal, wie ich mich doch davon beeinflussen lasse. „Mayas Tagebuch“, „Amandas Suche“ und „Ein diskretes Wunder“ werden also auf meiner Leseliste 2016 wandern.

Mein Fazit:
„Der japanische Liebhaber“ ist ein typischer Allende :-), humorvoll, unterhaltsam, fantasievoll, voller Farben und Gerüche, reich an Familiengeschichten und hat mir ausnehmend gut gefallen.

Lebert, Benjamin: Im Winter dein Herz

Genre: Roman, Sci-fi

Kurzbeschreibung:
»Dann dachte er an den Sommer, der schlief, wie die Menschen in ihren Betten schliefen.« Wenn der erste Schnee fällt, ziehen sich die Menschen zurück und halten Winterschlaf wie die Tiere. Robert, Annina und Kudowski bleiben wach und fahren durch ein weißes, vom Winter erfasstes Land. Es ist das Land, das man kennt, und doch ist es anders. Das Schweigen der Häuser, die verschlossenen Fensterläden erzählen von tiefen Träumen. Die drei Reisenden kennen sich nicht gut. Der Zufall hat sie zusammengeführt – jeder mit seiner Geschichte und seinen Geheimnissen. Ihre Fahrt durch den Schnee wird zu einer Reise dorthin, wo nicht nur der Winter zu Ende geht. Benjamin Lebert hat einen poetischen Roman über Freundschaft und die Wege, der Kälte zu trotzen, geschrieben.

Meine Einschätzung:
Eine sehr poetische Sprache zeichnet diesen kurzen Roman aus und eine interessante Idee: Um Energie zu sparen und die eigenen Kräfte zu stärken, können die Menschen ein Medikament nehmen, um den Winter zu verschlafen. Jeder darf aber frei entscheiden, ob er das möchte oder nicht.
In diesem Kurzroman erzählt der Autor von drei sehr unterschiedlichen Menschen, die sich aus ganz eigenen Gründen gegen den Winterschlaf entschieden haben und durch Deutschland reisen.
Mir, ganz persönlich, hat die Geduld für diese Geschichte, die sicher sehr schöne, intensive und interessante Momente enthält, gefehlt. Ich konnte mich nicht darauf einlassen und dafür wird auch ein Grund gewesen sein, dass die Hauptfiguren alle ein psychisches Problem oder eine psychische Erkrankung haben.
MICH hätte viel eher interessiert, welche Auswirkungen es hat, wenn 90 Prozent der Deutschen 3 Monate in tiefem Schlaf versinken, welche Nebenwirkungen gibt es, warum lassen sich so viele darauf ein, etc.
Das Buch und ich passen also nicht zusammen.

Mein Fazit:
Ein poetisches Buch, das im Winter gelesen, sicher viele Fans finden wird. Mir war es wohl zu tiefsinnig ;-).

Musso, Guillaume: Nacht im Central Park

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Alice und Gabriel wachen aneinandergefesselt auf einer Parkbank auf und haben keine Ahnung, wie sie in diese Situation geraten sind. Zumal sie sich nicht einmal kennen. In der Nacht zuvor ist Alice mit Freundinnen auf den Champs-Elysées ausgegangen, Gabriel hat in einem Club in Dublin Klavier gespielt. Wie konnten sie in nur so kurzer Zeit nach Amerika gelangen? Wurden sie mit einem Privatjet entführt? Von wem stammen die Blutflecken auf Alice‘ T-Shirt? Warum trägt sie eine fremde Waffe, in der eine Kugel fehlt? Alice und Gabriel bleibt nichts anderes übrig, als gemeinsam herauszufinden, was passiert ist. Ihre Suche führt sie auf die Spur eines Serienmörders, der Alice schon einmal um ein Haar das Leben gekostet hätte und sie nun ein weiteres Mal bedroht. Doch auch Gabriel hat ein Geheimnis …

Meine Einschätzung:
Die letzten beiden Romane des Autoren konnten mich ja nicht so recht überzeugen („Vielleicht morgen„, „Sieben Jahre später„), aber mit diesem Roman war ich ganz zufrieden, was sicher auch daran lag, dass ich die Protagonisten mochte und die Geschichte eine spannende Ausgangssituation hat.
Allerdings bleibt er bei seinem bewährten „Strickmuster“ und das finde ich mittlerweile doch langweilig und durchschaubar. Und auch dieses Mal hatte ich den Eindruck, dass an manchen Stellen die Tiefe oder Detailtreue fehlt. Hm, vielleicht bin ich da zu kritisch?

Mein Fazit:
Ein typischer Musso: spannend, berührend, emotional und überraschend.

Romane von Guillaume Musso:
Ein Engel im Winter (2005)
Ein himmlische Begegnung (2007)
Weil ich Dich liebe (2009)
Wirst Du da sein (2009)
Lass mich niemals gehen (2010)
Nachricht von Dir (2012)
Sieben Jahre später (2013)
Vielleicht morgen (2014)
Nacht im Central Park (2015)
Vierundzwanzig Stunden

Düffel, von John: KL – Gespräch über die Unsterblichkeit (abgebrochen)

Genre: Erzählung???

Kurzbeschreibung:

Wer sieht uns an? Und was wird dadurch aus uns? Einer, der es wissen muss, ist der bekannte Modeschöpfer KL, eine Ikone der Unnahbarkeit, der seit Jahrzehnten nicht zu altern scheint und immer gleich aussieht. Ein namenloser Erzähler fährt nach Paris, um mit KL über Schein und Sein, über den Tod und das Leben als Bild gewordene Instanz zu sprechen. Doch KL ist einer der eigensinnigsten und launischsten Gesprächs- partner deutscher Sprache. Das Gespräch ist mit zahlreichen Reglementierungen und Auflagen verbunden. Und entwickelt sich schließlich in eine unerwartete Richtung. KL Gespräch über die Unsterblichkeit ist die Fiktion eines Interviews mit einem Menschen, der in der Wirklichkeit die Fiktion seiner selbst zu sein scheint. Ein originelles literarisches Spiel, das überraschende Erkenntnisse bereithält: über den Bilderwahn unserer Zeit, den täglichen Kampf um Sichtbarkeit und die Angst vor dem Verschwinden.

Meine Einschätzung:
Ich fand die Idee der Geschichte ganz reizvoll. Ein Schriftsteller, der ein philosophisches Buch schreiben möchte, bemüht sich um ein Gespräch mit dem Modezaren Karl Lagerfeld. Die Gespräche der Beiden verlaufen interessant/schräg/seltsam und einige Passagen fand ich auch durchaus lesenswert, aber irgendwann wurde es mir dann doch zu philosophisch und theoretisch. Gedankenspiele dieser Art vermag ich nur einer Weile folgen …
Wirklich unterhaltsam fand ich die Episode, in der der Autor im Zug Barbara Schöneberger trifft. Sie ist ja zur Zeit in den Medien sehr präsent und offenbar hat sich der Autor dazu auch einige Gedanken gemacht.

Mein Fazit:
Literarische Gedankenspiele dieser Art können mich leider nicht auf Dauer fesseln.

Archer, Jeffrey: Spiel der Zeit (1)

Genre: Historischer Roman

Reihenfolge der Clifton-Saga:
Teil 1: Spiel der Zeit
Teil 2: Das Vermächtnis des Vaters
Teil 3: Erbe und Schicksal
Teil 4: Im Schatten unserer Wünsche
Teil 5: Die Wege der Macht
Teil 6: Möge die Stunde kommen

Kurzbeschreibung:
England um 1930: Der junge Harry Clifton wächst an den Hafendocks von Bristol heran, seine Mutter Maisie muss sich mit harter Arbeit durchschlagen. Um den Tod von Harrys Vater, der angeblich im Krieg gefallen ist, rankt sich ein Geheimnis. Harrys Leben nimmt eine Wendung, als er das Stipendium für eine Eliteschule erhält. Er tritt ein in die Welt der Reichen und lernt Giles Barrington sowie dessen Schwester Emma kennen, Erben einer Schifffahrts- Dynastie. Harry verliebt sich in Emma, ohne zu ahnen, dass die Schicksale ihrer Familien auf tragische Weise miteinander verknüpft sind …

Meine Einschätzung:
Eine ganze Weile habe ich um Schmöker dieser Kategorie einen weiten Bogen gemacht. Ken Follets Jahrhundert-Trilogie steht vorwurfsvoll und von mir ungelesen im Bücherregal, denn seine 100derte Seiten füllenden Beschreibungen der Pestausbrüche in Europa aus „Tore der Welt“ waren mir irgendwann zuviel.
Jeffrey Archers Geschichte hingegen läßt keinerlei Langeweile aufkommen. Aus der Sicht verschiedener Protagonisten erzählt er eine spannende Geschichte über Liebe, Egoismus, Standesdünkel, Freundschaft, Mutterliebe, Familiengeheimnisse, Ehrenhaftigkeit und Loyalität. Anfangs habe ich beführchtet, dass der Wechsel der Erzählperspektiven zu ermüdenden Wiederholungen führen würde, aber dem ist nicht so. Vielmehr wird die Geschichte aus der Sicht verschiedener Beteiligter intensiv beleuchtet und man lernt die Protagonisten viel besser kennen, als bei einem auktorialen Erzähler.
Über die Geschichte selbst will ich gar nicht viel verraten, denn sie ist voller Geheimnisse und Überraschungen und am Ende ist mir tatsächlich ein Sch… entschlüpft. 😉

Mein Fazit:
Ein sehr britischer, historischer Roman, der mir großen Lesespaß gemacht hat.

Backman, Fredrick: Ein Mann namens Ove

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:

Eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, das richtige Werkzeug und was sonst noch wirklich zählt im Leben – witzig, rührend, grummelig, großartig.
Haben Sie auch einen Nachbarn wie Ove? Jeden Morgen macht er seine Kontrollrunde und schreibt Falschparker auf. Aber hinter seinem Gegrummel verbergen sich ein großes Herz und eine berührende Geschichte. Seit Oves geliebte Frau Sonja gestorben ist und man ihn vorzeitig in Rente geschickt hat, sieht er keinen Sinn mehr im Leben und trifft praktische Vorbereitungen zum Sterben. Doch dann zieht im Reihenhaus nebenan eine junge Familie ein, die als Erstes mal Oves Briefkasten umnietet …

Meine Einschätzung:
Das ist so ein Buch, das man unbedenklich (andere meiner Lieblingsbücher eignen sich da eher nicht ;-)) seiner Mutter, Schwiegermutter, Schwester und Freundin schenken kann, denn alle werden es rührend und komisch finden.
Ich natürlich auch :-).

Mit Fazit:
Ein berührendes, humorvolles Buch, das zwar mit einigen Klischees aufwartet, aber trotzdem nicht platt ist.

Ryan Hyde, Catherine: Als ich dich fand

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Als Nathan McCann ein halbvergrabenes Baby im Wald findet, geht er davon aus, dass es tot ist. Doch dann bewegt es sich, und in einem einzigen kurzen Moment ändert sich Nathans Leben für immer.
Der kleine Junge wird zu seiner Großmutter geschickt, um bei ihr aufzuwachsen, aber Nathan kann ihn nicht vergessen, und er stattet der alten Frau einen Besuch ab. Er bittet um ein einfaches Versprechen: dass sie Nathan irgendwann dem Jungen vorstellen und ihm erzählen wird, dass er der Mann ist, der ihn im Wald gefunden hat.
Die Jahre vergehen, und Nathan nimmt an, dass die alte Dame ihr Versprechen vergessen hat, bis eines Tages ein wütender, schwieriger Junge mit einem Koffer in der Hand vor seiner Haustür steht …

Meine Einschätzung:
In dieser Geschichte treffen zwei Menschen zufällig aufeinander. Nathan Senior, unglücklich verheiratet, ist ein Mensch mit Prinzipien, der über den Sinn seines Lebens nachdenkt. Nathan Junior wird als Baby von seiner überforderten Teenie-Mutter ausgesetzt. Seine Großmutter nimmt ihn bei sich auf, ist aber überfordert mit diesem Kind und hat meiner Ansicht nach einen großen Anteil daran, dass Nathan Junior mit seinem Leben nicht zurecht kommt. Eigentlich haben alle beteiligten Personen psychische Probleme und Leser, die sich für Psychologie interessieren, finden das bestimmt spannend. Ich eher nicht …
Natürlich ist es rührend und herzzerreißen, wie sich im Laufe der Geschichte die beiden Nathans näher kommen, wie Nathan Junior fast nicht die Kurve bekommt, aber irgendwie hat mich die Geschichte nicht mitgenommen. Sicher spielt dabei eine Rolle, dass Nathan Junior seine Begeisterung für’s Boxen entdeckt und wenn es einen Kampfsport gibt, den ich unerträglich finde, dann ist es Boxen.

Mein Fazit:
Das ist ganz sicher ein schöner, interessanter Roman, der sich mit der Frage beschäftigt, welchen Sinn man seinem Leben geben möchte. Mir persönlich waren die Protagonisten zu problembeladen und anstrengend.

Obrecht, Téa: Die Tigerfrau

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Alles, was nötig ist, um meinen Großvater zu verstehen, liegt zwischen zwei Geschichten: der von der Tigerfrau und der von dem Mann, der nicht sterben konnte. Diese beiden Geschichten fließen wie geheime Ströme durch all die anderen Erzählungen seines Lebens – von seinen Tagen beim Militär; seiner großen Liebe zu meiner Großmutter; seinen Jahren als Chirurg und an der Uni¬versität gefürchteter Tyrann. Die eine, die ich erst nach seinem Tod zu hören bekam, handelt davon, wie mein Großvater zum Mann wurde; in der anderen, die er mir selbst erzählt hat, wurde er wieder zum Kind.

Meine Einschätzung:

Die junge Ärztin Natalia, die Ich-Erzählerin, erfährt auf dem Weg zu einem humanitären Einsatz vom Tod ihres Großvaters, der ihr sehr nahe stand. Sie wußte von seiner lebensbedrohlichen Erkrankung, aber dass er sich zum Sterben in ein abgelegenes Krankenhaus zurückziehen würde, wußte niemand in der Familie. Natalia macht sich auf, um seine privaten Sachen abzuholen und etwas über die Umstände seines Todes zu erfahren. Während ihrer Reise erinnert sie sich an die vielen Geschichten, die ihr der Großvater erzählte und macht sich auf die Suche nach seinem Geburtsort.
„Die Tigerfrau“ ist ein faszinierender, vielschichtiger Roman, geschrieben in einer sehr, sehr schönen, bildreichen, fast schon poetischen Sprache.
Die Autorin erzählt die Geschicht aus dem Leben des Großvaters der Ich-Erzählerin, die durchwoben sind von osteuropäischen Mythen und Aberglauben. In einer anderen Ebene wird von den Auswirkungen des Balkankrieges in den 90iger Jahren berichtet, was mich sehr berührt hat.
Außerdem schweift die Autorin einige Male in philosophische Sphären ab, was ich manchmal schwierig finde, aber im Rahmen dieser Geschichte passend und interessant fand.
Wem würde ich diesen Roman empfehlen? Allen, die sich an einer schönen Sprache und einer ungewöhlichen, vielschichtigen Geschichte erfreuen können. Interessanterweise kam mir gleich „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel in den Sinn. Wer diesen Roman mochte, findet sicher auch Gefallen an der Tigerfrau :-).

Mein Fazit:

Ein ungewöhnlicher Roman, der Geschichten aus dem südosten Europas erzählt. Philosophisch, historisch, aktuell, bewegend, tiefsinnig, …

Martini, Caro: Beim nächsten Mann links abbiegen

Genre: Chick lit

Kurzbeschreibung:
Lucie Stein ist fleißig, hübsch und liebenswert; im Leben, in der Liebe und vor allem beim Autofahren allerdings etwas orientierungslos. Als sie auf dem Flohmarkt ein gebrauchtes Navi ersteht, begrüßt es sie gleich beim ersten Einsatz mit den Worten: »Hallo, Lucie, wo soll es denn hingehen?« Und führt sie dann freundlich, aber bestimmt, überallhin – nur nicht an das angegebene Ziel. In Lucies Leben geht es ab sofort drunter und drüber. Das geheimnisvolle Gerät mit der angenehmen George-Clooney-Stimme scheint jedoch ganz genau zu wissen, wo das Glück zu finden ist. Denn eines Tages heißt es tatsächlich: »Lucie, du hast dein Ziel erreicht!«

Meine Einschätzung:
Dieser kleine, niedliche Roman hat mich einen vierstündigen Flug lang prima unterhalten und vergessen lassen, wie unbequem der Sitz ist :-).
Und der Gedanke, dass mir die Synchronstimme von George Cloony demnächst den Weg durch den Großstadtdschungel erklärt, hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Geschichte ist natürlich vollkommen absurd, unrealistisch und durchschaubar – na und?

Mein Fazit:

Die Idee ist prima, die Umsetzung unterhaltsam, ein wunderbares Buch für den Strandkorb, Liegestuhl oder den Flieger …

Brett, Lily: Lola Bensky

Genre: Roman

Kurzbeschreibung:
Lola Bensky ist neunzehn, als Keith Moon von The Who vor ihren Augen die Hosen runterlässt und Cher sich ihre falschen Wimpern borgt. Es sind die Sixties, und Lola ist als Reporterin in London und New York unterwegs, um Interviews mit Musikern zu führen. Sie unterhält sich mit Mick Jagger über Sex und Diäten, mit Jimi Hendrix über Mütter, Gott – und Lockenwickler. Ihre Leser sind vermutlich eher an Tratsch interessiert, aber Lola war schon immer etwas unkonventionell. Zum Glück ahnen ihre Eltern nichts davon, dass sie mit Menschen zu tun hat, die mit freier Liebe und Drogen experimentieren. Sie haben das Konzentrationslager überlebt, aber das würde sie ins Grab bringen. Und Lola fühlt sich schon schuldig genug, dass sie Übergewicht hat und keine Anwältin geworden ist. Doch sie ist fest entschlossen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. »Lola Bensky« ist ein hinreißend komischer und herzzerreißend menschlicher Roman über Neurosen und die Last der Vergangenheit. Und eine fulminante Hommage an die großen, verrückten Heldinnen und Helden der Sixties.

Meine Einschätzung:
Vor einigen Jahre habe ich schon begeistert „Chuzpe“ von Lily Brett gelesen und auch „Lola Benksy“ hat mir richtig gut gefallen.
Lola ist Jüdin und das Kind zweier Holocaust-Überlebender, die nach Australien auswanderten. Die Eltern sind vollkommen traumatisiert, aber psychologische Hilfe wurde der Familie nie zuteil. Und so kämpft auch Lola nicht nur gegen ihr Übergewicht, sondern auch mit Ängsten und Selbstvorwürfen. Diese traurige und dramatische Geschichte wird von der Autorin aber nicht wirklich erzählt, sondern allenfalls angedeutet oder kurz eingeblendet. Im Vordergrund steht Lolas Leben in den 60igern als Reporterin für ein Musikmagazin. Sie interviewt DIE Musikgrößen ihrer Zeit und die Autorin beschreibt die Begegnungen mit Mick Jagger, Jimi Hendrix, Cher und vielen anderen so amüsant, dass ich gerne glauben möchte, dass ein Fünkchen Wahrheit dahinter steckt. :-). Da ich im Grunde nicht besonders für Musik oder Musikgeschichte interessiere, kann ich das nicht beurteilen.
Lily Brett hat einen wunderbaren, lockeren, witzigen Schreibstil, der mir sehr gut gefällt und die Art, wie sie Geschichten erzählt, ist originell und unterhaltsam und mit Tiefgang.

Mein Fazit:

Lily Bretts Roman „Lola Bensky“ ist eine absolute Leseempfehlung von mir und nicht nur für Musikfans.

Musso, Guillaume: Lass mich niemals gehen


Genre: Roman

Kurzbeschreibung:
New York, 2007. Fünfzehn Jahre ist es her, dass Ethan Heimat und Freunde hinter sich ließ, um seinen Traum von einem glamourösen Leben zu verwirklichen. Tatsächlich gelingt ihm in Manhattan eine steile Karriere als Psychologe und umschwärmter Medienstar. Er schreibt Bestseller zum Thema Selbstvertrauen und Lebensglück – er selbst aber fühlt sich einsam und leer. Die Frauen liegen dem attraktiven Mittdreißiger zu Füßen, doch er kann seine große Liebe Céline nicht vergessen, die er Jahre zuvor auf dem Weg zum Erfolg verlassen hat. Unverhofft lädt Céline Ethan zu ihrer Hochzeit am Halloweenabend ein und Ethan hofft auf einen Weg zurück zu ihr. Doch dann geschieht etwas Unfassbares, das Ethan sein Leben kosten könnte – oder gibt man ihm doch noch eine Chance? „Guillaume Musso erzählt eine wahrhaft existentielle Geschichte.

Meine Einschätzung:
Ich glaube, nun habe ich alle Musso-Romane, die auf deutsch erschienen sind, gelesen, bis auf den ganz neuen „Nacht im Central Park“. Ich kann mich noch genau an den ersten Roman erinnern (Nachricht von Dir), den ich von ihm gelesen habe und von dem ich begeistert war.
Mittlerweile hat sich meine Begeisterung etwas abgekühlt, weil es mir nicht gelingt, das Muster, das den meisten seiner Romane zugrunde liegt, zu übersehen und so fehlt mir der „Überraschungsfaktor“, den ich noch beim ersten gelesenen Roman so klasse fand.
Je nach Stimmungslage bin ich mehr oder weniger geneigt, seine klischeehaften Übertreibungen zu überlesen, aber im Fall von Ethan, dem wahnsinnig erfolgreichen Psychologen, war ich leicht genervt.
Trotzdem werde ich seine Romane weiterhin lesen, denn sein flüssiger, eleganter Stil gefällt mir, viele seiner Protas sind liebenswerte Figuren und seine Geschichten berühren mich und machen mich nachdenklich.
In diesem Roman treffen „Schiksal“ und „Karma“ aufeinander und die Idee hat mir schon gut gefallen ;-).

Mein Fazit:
Ein älterer Roman aus der Feder des Franzosen Guillaume Musso, der mir nicht bedingungslos gefallen hat, aber den ich doch gerne gelesen habe.

Ich liste hier mal zum Überblick die Romane, die von Herrn Musso auf deutsch erschienen sind, auf (nach Erscheinungsdatum). Es sind alles Einzelbände, die unabhängig voneinander gelesen werden können.

Romane von Guillaume Musso:
Ein Engel im Winter (2005)
Ein himmlische Begegnung (2007)
Weil ich Dich liebe (2009)
Wirst Du da sein (2009)
Lass mich niemals gehen (2010)
Nachricht von Dir (2012)
Sieben Jahre später (2013)
Vielleicht morgen (2014)
Nacht im Central Park (2015)
Vierundzwanzig Stunden

Allen, Addison Sarah: Die Mondscheinbäckerin

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die 17-jährige Emily Benedict nach Mullaby, North Carolina, um dort bei ihrem Großvater zu leben. Schon bald merkt sie, dass in Mullaby ungewöhnliche Dinge vor sich gehen: Nachts huschen Irrlichter durch die Wälder, die Tapete in Emilys Zimmer verändert von allein das Muster, und die Nachbarin Julia Winterson backt Kuchen, die geliebte Menschen anlocken können. Als Emily den jungen Win Coffey kennenlernt, funkt es sofort zwischen den beiden. Aber die Familie Coffey hütet ein sonderbares Geheimnis …

Meine Einschätzung:
Nach all dem spannungsgeladenen Lesefutter bin ich mit diesem Roman in zuckersüße Südstaaten-Romanze eingetaucht. Das ist doch das Tolle am Lesen, oder? Mit jedem Buch in eine neue Welt eintauchen und je nach Stimmungslage darf es bei mir brutal und düster oder eben nett und freundlich sein ;-).
Während ich im Moment Bücher, die in den nördlichen Bundesstaaten der USA spielen oft langweilig oder doof finde, bin ich offenbar ein heimlicher Fan der Südstaaten, denn Geschichten, die dort spielen, haben ein besonderes Flair, das mir gut gefällt.

Mein Fazit:
„Die Mondscheinbäckerin“ ist ein netter Sommerroman mit Südstaatenflair, einem Hauch Magie und einem Happy-End. Perfekt.

Von der Autorin gibt es noch:
Mein zauberhafter Garten
Das Wunder des Pfirsichgartens

Glattauer, Daniel: Wunderübung

Genre: Komödie, Erzählung

Kurzbeschreibung:
Die Beziehung von Joana und Valentin ist am Tiefpunkt angelangt, und die Versuche, die der Paartherapeut anstellt, um die beiden Streithähne in den Griff zu kriegen, sind ganz und gar nicht erfolgreich. Joana weiß immer schon vorher, was ihr Ehemann sagen will, und sorgt mit ihrem Redeschwall dafür, dass er oft gar nicht zu Wort kommt. Valentin straft sie dafür mit Gefühlskälte. Er nimmt jeden Missstand als gegeben hin und sieht keinen Grund für Veränderung. Doch nicht nur das Paar hat Probleme – auch der Therapeut scheint in Schwierigkeiten zu stecken. In „Die Wunderübung“ erweist sich Daniel Glattauer als ein Meister darin, die feinen Zwischentöne im Dschungel unserer Gefühle darzustellen.

Meine Einschätzung:

Ich habe mich schlapp gelacht über dieses kleine 3-Personen-Theaterstück oder Komödie. Ich mag nämlich Glattauers ironisch-spitzen Tonfall, seinen bissig-bösen Blick auf die Menschen. Herrlich.

Mein Fazit:

Kurz. Bissig. Witzig. Schräg. Wienerisch. Gemein.

Hauptmann, Gaby: Liebling, kommst Du?

Genre: Chick Lit, Frauenroman

Kurzbeschreibung:
Mein Mann hat keine Zeit für mich. Wie oft hat Nele das gedacht! Jetzt weiß sie – schlimmer ist, wenn Björn zu viel Zeit hat. Freigestellt von seiner Arbeit, stört er ihre heiligen Rituale und krempelt alles um. Nele ist erleichtert, als er endlich eine neue Leidenschaft gefunden hat: seine erste Harley. Aber muss er sich in der Motorradgang auch gleich noch in die Freundin seines Sohnes verlieben? Ein herzerfrischender Roman über neue Lebensabschnitte und die verschlungenen Wege, die die Liebe nehmen muss, um ans Ziel zu kommen.

Meine Einschätzung:
Gaby Hauptmann ist seit Jahrzehnten im Geschäft und schreibt regelmäßig Bestseller. Allerdings habe ich schätzungsweise Anfang der 90iger das letzte Buch von ihr gelesen ;-).
Nun ist mir die Autorin eher zufällig im wahrsten Sinne des Wortes über die Füße gelaufen und deshalb habe ich ihr neuesten Buch einfach mal gekauft.
Es liest sich auch flott weg, die Autorin versteht eindeutig ihr Metier und schreibt flüssig und gekonnt witzige Szenen, indem sie mit Klischees und Vorurteilen spielt.
Mir ganz persönlich ist die Geschichte allerdings zu platt und vorhersehbar, die Klischees fand ich abgedroschen, aber das liegt auch sicher daran, dass ich im Grunde keine Chick Lits mag.
Ich denke aber, dass Gaby Hauptmann und Chick Lit Fans reiferen Alters 😉 durchaus auf ihre Kosten kommen können.

Mein Fazit:
Gaby Hauptmann ist eine Autorin, die ihr Geschäft versteht und über viele Jahre Romane unter den Bestsellern hat. Meinen ganz persönlichen Lesegeschmack trifft sie damit zwar nicht, aber sie hat zurecht jede Menge (weiblicher) Fans.

Williams, Beatriz: Das geheime Leben der Violet Grant


Genre: Roman

Kurzbeschreibung:
Manhattan, 1964. Vivian Schuyler hat das Undenkbare getan: Sie hat dem glamourösen Upperclass-Leben ihrer Familie den Rücken gekehrt, um Karriere als Journalistin zu machen. Als sie herausfindet, dass sie eine skandalumwitterte Großtante hat, ist ihr Spürsinn geweckt …
Berlin, 1914. Die junge Physikerin Violet erträgt ihre Ehe mit dem älteren Professor Grant nur, um ihren Forschungen nachgehen zu können. Doch plötzlich bricht der Erste Weltkrieg aus – und ein geheimnisvoller Besucher stellt Violet vor eine Entscheidung mit dramatischen Folgen.

Meine Einschätzung:
Ein zufälliger Glücksgriff!!! Was für ein wundervolles, spannendes, interessantes, unterhaltsames Buch!!!
In diesem Roman wird die Geschichte zweier Frauen einer reichen New Yorker Familie erzählt, die sich beide emanzipieren. Violet 1914 und Vivian in den 60igern. Vivian erzählt ihre Geschichte selbst, in einem leicht schnodderigen, witzigen, selbstironischen Tonfall, den ich wunderbar fand.
Ich werde hier absolut nichts über diese Geschichte verraten, denn sie ist spannend, unvorhersehbar, tragisch, romantisch und witzig.
Liebe – Verrat – Freundschaft – Sex verbinden die Schicksale dieser beiden tollen Frauen.

Mein Fazit:
Eines meiner Lesehighlights in meinem bisherigen Lesejahr! Großartig. Wer „Gute Geister“ mochte, wird „Das geheime Leben der Violet Grant“ auch mögen.

Gricksch, Gernot: Die Bank der kleinen Wunder

Genre: zeitgenössischer Roman

Kurzbeschreibung:
Gernot Gricksch ist einer der meistverfilmten deutschen Autoren und fängt in seinen Geschichten die kleine Augenblicke ein, die alles verändern können. Die Summe dieser vermeintlich kleinen Augenblicke macht uns und das Leben aus. Manchmal braucht es Mut, sein Leben zu überdenken. Manchmal aber auch nur fünf Minuten auf der Bank der kleinen Wunder:
In „Die Bank der kleinen Wunder“ erzählt Gernot Gricksch von einem Mann, der partout nicht aufhören will zu arbeiten. Von einem Model, das furchtbaren Hunger hat. Von einem Mädchen und einem Jungen, die nicht zueinander passen und deshalb zusammengehören. Von einem alten Mann, dessen Liebe seit Jahrzehnten ein Geheimnis ist. Und einem Hundehasser, der beim Gassigehen einen ganz neuen Weg einschlägt. Sie alle erleben, wie eine gewöhnliche Parkbank ihr Leben auf den Kopf stellt.

Meine Einschätzung:
Obwohl das Buch schon 2003 erschien und der Autor offenbar sehr bekannt ist, sind mir beide noch nie begegnet. Erstaunlich.
Da zeitgenössische Romane nicht gerade mein Lieblingslesestoff sind, bin ich wahrscheinlich ein wenig zu streng :-(, aber mir waren die Geschichten teilweise zu süßlich, nett und lieb. (Wie sagte eine liebe Freundin zu mir: Wieder ein Buch, das Deinen ganzen Aliens, Vampiren und Monstern zum Opfer gefallen ist! und da hat sie Recht ;-))
Man könnte aber auch sagen, dass es ganz niedliche, lebensbejahende Geschichten sind, die das Herz erfreuen :-).

Mein Fazit:
„Die Bank der kleinen Wunder“ fährt heute mit mir zu einer Patientin ins Krankenhaus und wird sie sicher erfreuen.

Simsion, Graeme: Das Rosie-Projekt

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Don Tillman ist hochintelligent, sportlich, erfolgreich – und er will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist.
Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.

Meine Einschätzung:
Wahrscheinlich habt Ihr es eh schon alle gelesen oder darüber gelesen.
Ich habe dieses wundervolle, witzige, authentische Buch auf jeder Seite genossen und kann es nur allen ans Herz legen.
Seht Euch die Welt mal aus den Augen von Don an. Das macht einen nachdenklich ..

Mein Fazit:
Unbedingt Lesen! Das Rosie-Projekt ist zurecht ein Bestseller :-).

Semple, Maria: Wo steckst Du, Bernadette?

Genre: zeitgenössischer Roman

Kurzbeschreibung:
Bernadette Fox ist chaotisch, überfordert – und ungeheuer liebenswert. Ihr Ehemann Elgie, der neue Hoffnungsträger bei Microsoft, mag ihren Witz. Und ihre verrückten Ideen. Irgendwie auch ihre Unsicherheit, wenn sie mal wieder von quälenden Ängsten heimgesucht wird. Die anderen Mütter, allesamt perfekt organisiert, halten Bernadette allerdings für eine Nervensäge. Verantwortungslos. Schließlich beschäftigt sie online eine indische Assistentin, die den Alltag für sie regelt. Zum Stundensatz von 0,75 Dollar reserviert Manjula den Tisch im Restaurant, erledigt mal eben die Bankgeschäfte und bucht den Familienurlaub in die Antarktis. Und für ihre 15jährige Tochter Bee, die kleine Streberin, ist Bernadette, na ja, eine Mutter. Bee kennt ja keine andere. Doch irgendwann beschließt Bernadette auszubrechen. Ihr wird das alles zu viel. Und auf einmal ist sie verschwunden …

Meine Einschätzung:

Erzählperspektiven, Email-Korrespondenzen und Briefe wechseln sich in diesem Roman ab, was sehr unterhaltsam ist und die Geschichte gut verständlich macht. Ich mag diese „frische“ Erzählweise, aber das geht nicht allen Lesern so, wie ich aus Erfahrung weiß.
Bernadette ist eine typische Außenseiterin, eine Architektin, deren Ideen, je nach Sichtweise des Betrachters brilliant oder total verschroben sind. Nach einer fulminanten Niederlage, zieht sie sich weitestgehend von der Gesellschaft zurück und kümmert sich um die geliebte Tochter. Ihr Mann hingegen ist ein erfolgreicher Manager, der die Augen vor den Problemen seiner Frau verschließt und ausschließlich für die Firma lebt und arbeitet. Die Teenager-Tochter der beiden erfährt nur wenig Unterstützung durch ihre Eltern und wünscht sich auf ein Internat.
Mehr will ich gar nicht verraten.
Mich hat die Geschichte irritiert und fasziniert. Einerseits spielt die Autorin mit gängigen Klischees von Privat-Schulen-Helikopter-Müttern und amerikanischem Manager-Alltag, andererseits erzählt sie von der tragischen Geschichte einer unkonventionellen Frau, die an der Uniformität und Phantasielosigkeit der amerikanischen Gesellschaft zerbricht.
Mich hat die Geschichte jedenfalls beschäftigt, aber einige Szenen waren mir zu klamaukig und übertrieben. Außerdem hat die Autorin so viele verschiedene Themen in diesem Buch angepackt, aber diese nicht zu Ende gedacht, die hätten locker für 3 Bücher gereicht ;-).

Mein Fazit:
Ein origineller, interessanter Roman, der unterhält, aber auch Stoff zum Nachdenken bietet.