Oord, van Lodewijk: Das letzte Nashorn


Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Der Amsterdamer Privatzoo Artis kämpft ums Überleben. Der neue jung-dynamische Direktor Edo Morell will daher aus dem beschaulichen Tierpark ein attraktives „Afrika an der Amstel“ machen, Schwerpunkt bedrohte Nashörner. Dabei soll ihm die südafrikanische Spezialistin Sariah helfen. Die engagierte Tierschützerin weiß, dass diese Tiere sich nur in geschützter Umgebung fortpflanzen. Edo ist zwar auch an Fortpflanzung interessiert – doch er versucht, daraus einen spektakulären Event zu machen. Aus Berlin lässt er den Nashornbullen Albrecht einschweben, den letzten seiner Art. Aber das ganze Unternehmen erweist sich doch als viel komplizierter als gedacht. Nicht nur Albrecht scheint überfordert zu sein.

Meine Einschätzung:
„Das letzte Nashorn“ wird auch ein Buch sein, das mir im Gedächtnis bleibt, denn das Thema Artensterben und wie gehen wir damit um, finde ich spannend und diskussionswürdig. Ebenso wie die Frage, ob Zoos noch zeitgemäß sind oder ob dort Tiere gequält werden.
Der Autor verpackt das Thema in eine etwas abstruse, aber durchaus vorstellbare Geschichte und flicht philosophische Betrachtungen ein. Und das hat mir richtig gut gefallen.
Weniger begeistert war ich von den Protagonisten, die ich alle seltsam bis unsympathisch fand. Ja, ja, ich weiß, sympathische Protagonisten sind sowieso nur was für Liro-Leserinnen *grins* und bei echten Literaturkennern verpönt.
Ist mir aber egal :-).

Mein Fazit:
Eine etwas skurrile Geschichte über die Zukunft des Amsterdamer Zoos und die Gattung der Nashörner. Interessant, philosophisch, schräg, lesenswert.

Winter, de Leon: Ein gutes Herz

Gerne: zeitgenössischer Roman

Kurzbeschreibung:
Ein junges marokkanisches Fußballteam hält Amsterdam in Atem. Ein halbkrimineller jüdischer Geschäftsmann entdeckt plötzlich seine Bestimmung. Väter und Söhne finden schicksalhaft zueinander, und der ermordete Filmemacher Theo van Gogh bekommt postum den Auftrag, die Welt zu retten, da die Politik versagt. Dies alles atemberaubend miteinander verwoben im turbulenten, ironisch verspielten Roman von Leon de Winter, der gekonnt ›facts‹ und ›fiction‹ vermischt.

Meine Einschätzung:
Ich habe vor ungefähr 10 Jahren „Malibu“ von Leon de Winter gelesen und konnte mich dunkel erinnern, dass ich damals ganz angetan von diesem Buch war und deshalb lieh ich mir „Ein gutes Herz“ aus.
Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe die Augen weit aufgerissen, lauthals losgelacht, etwas schockiert den Kopf geschüttelt und mich bestens amüsiert. Leon de Winter spinnt eine verrückte, bizarre Geschichte, die damit beginnt, dass der ermordete Theo van Gogh in einer Art Vorzimmer des himmlischen Paradieses landet und empört feststellen muß, dass er seinen Körper verloren hat und im Himmel nur als Kopf existiert. Obwohl ihm offenbart wird, dass er durch gutes Betragen und nach der Erledigung eines ganz bestimmten Auftrages, sowohl seinen Körper als auch Einlass in den Himmel erlangen kann, benimmt er sich unmöglich. 🙂 Das ist der fantastische Anteil der Geschichte und er ist herrlich schräg und bizarr.
Parallel dazu schmieden in Amsterdam einige muslimische junge Männer einen Plan, um auf sich aufmerksam zu machen; eine jüdischer Unterweltboss erhält ein neues Herz von einem schwarzen Franzikaner und es stellt sich überraschenderweise heraus, dass die beiden noch etwas ganz anderes verbindet; eine alleinerziehende Mutter geht eine Beziehung mit einem deutlich älteren Schriftsteller ein (Leon de Winter selbst) und die niederländische, politische Elite hat alle Hände voll zu tun, die richtigen Entscheidungen zu treffen und ein paar unrühmliche Details unter den Tisch zu kehren.
Spannend, politisch herrlich unkorrekt, ironisch und durchaus selbstironisch verwebt der Autor diese Fäden zu einer turbulenten Geschichte, die mit einigen interessanten Wendungen aufwartet und durch eine wundervolle Sprache glänzt.

Mein Fazit:
Ein großartiger zeitgenössischer Roman aus den Niederlanden!