Espinosa, Albert: Der Club der blauen Bänder


Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Als der Held des Romans das Sprechzimmer des Arztes betritt und ihn dessen mitleidiger Blick trifft, weiß er sofort: Er wird sterben. Drei Tage bleiben ihm noch. Nie zuvor hatte er das Leben so sehr geliebt wie in jenem Moment, als er es zu verlieren beginnt. Beinahe traumwandlerisch begibt er sich auf seine letzte Reise und gelangt auf eine mystische Insel. Es ist die Abschiedsstation einer Gruppe todgeweihter Jugendlicher, die hierhergekommen ist, um die Welt hinter sich zu lassen, insbesondere die der Erwachsenen mit ihren festen Regeln, den falschen Zwängen, Schuldgefühlen und nie enden wollenden Verpflichtungen. Denn im Angesicht des Todes wissen sie, dass jeder Augenblick, jede Sekunde zählt. Gewohnt fesselnd, in kraftvollen fabelhaften Bildern und mit anrührenden wahrhaftigen Fragen an das Leben lädt Albert Espinosa seine Leser ein, ihm in die blaue Welt zu folgen.

Meine Einschätzung:
Es kostet mich zugegebenermaßen Überwindung ein Buch zu lesen, das sich so explizit mit dem Sterben beschäftigt. Aber der Autor schafft eine heitere, nachdenkliche Stimmung und seine philosophischen Betrachtungen des Lebens und des Sterbens haben mich positiv gedanklich beschäftigt. Allerdings driftet die Geschichte gegen Ende etwas ab und ich hege die Vermutung, dass der Autor während des Schreibens eventuell Rauschmittel konsumiert hat ;-).

Mein Fazit:
Philosophische, leicht abgedrehte Geschichte vom Leben und vom Sterben.

Düffel, von John: KL – Gespräch über die Unsterblichkeit (abgebrochen)

Genre: Erzählung???

Kurzbeschreibung:

Wer sieht uns an? Und was wird dadurch aus uns? Einer, der es wissen muss, ist der bekannte Modeschöpfer KL, eine Ikone der Unnahbarkeit, der seit Jahrzehnten nicht zu altern scheint und immer gleich aussieht. Ein namenloser Erzähler fährt nach Paris, um mit KL über Schein und Sein, über den Tod und das Leben als Bild gewordene Instanz zu sprechen. Doch KL ist einer der eigensinnigsten und launischsten Gesprächs- partner deutscher Sprache. Das Gespräch ist mit zahlreichen Reglementierungen und Auflagen verbunden. Und entwickelt sich schließlich in eine unerwartete Richtung. KL Gespräch über die Unsterblichkeit ist die Fiktion eines Interviews mit einem Menschen, der in der Wirklichkeit die Fiktion seiner selbst zu sein scheint. Ein originelles literarisches Spiel, das überraschende Erkenntnisse bereithält: über den Bilderwahn unserer Zeit, den täglichen Kampf um Sichtbarkeit und die Angst vor dem Verschwinden.

Meine Einschätzung:
Ich fand die Idee der Geschichte ganz reizvoll. Ein Schriftsteller, der ein philosophisches Buch schreiben möchte, bemüht sich um ein Gespräch mit dem Modezaren Karl Lagerfeld. Die Gespräche der Beiden verlaufen interessant/schräg/seltsam und einige Passagen fand ich auch durchaus lesenswert, aber irgendwann wurde es mir dann doch zu philosophisch und theoretisch. Gedankenspiele dieser Art vermag ich nur einer Weile folgen …
Wirklich unterhaltsam fand ich die Episode, in der der Autor im Zug Barbara Schöneberger trifft. Sie ist ja zur Zeit in den Medien sehr präsent und offenbar hat sich der Autor dazu auch einige Gedanken gemacht.

Mein Fazit:
Literarische Gedankenspiele dieser Art können mich leider nicht auf Dauer fesseln.

Roger, Marie-Sabine: Das Leben ist ein listiger Kater

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Zum Leben ist es nie zu spät Jean-Pierre wacht auf und kann sich an nichts erinnern. Er ist in die Seine gefallen, ein junger Mann hat ihm das Leben gerettet. Jetzt liegt er im Krankenhaus, ein Alptraum für den menschenscheuen Einzelgänger. Über zu viel Besuch kann sich der verwitwete Rentner „ohne Kinder oder Hund“ eigentlich nicht beklagen. Aber alleine ist er trotzdem nie, ständig fällt ihm jemand auf die Nerven: Die vierzehnjährige Maëva hat es auf seinen Laptop abgesehen, um „schnell mal Facebook zu checken“. Maxime, ein junger Polizist, versucht herauszufinden, wie Jean-Pierre in der Seine gelandet ist – und schon bald entdecken die beiden ihre gemeinsame Leidenschaft für Schwarzweißfilme. Der gutherzigen Krankenschwester Myriam wächst der alte Griesgram mit Galgenhumor so ans Herz, dass sie ihn zu ihrem Lieblingspatienten ernennt. Und dann ist da noch Camille, der Student, der Jean-Pierre aus der Seine gefischt hat. Allen zusammen gelingt es nach und nach, Jean-Pierre zurück ins Leben zu holen – und für einen Neuanfang ist es bekanntlich nie zu spät.

Meine Einschätzung:
Dieses Buch mit dem niedlichen Titel hat sich sozusagen zwischen alle anderen Bücher geschmuggelt, die ich eigentlich lesen will/soll/muß. Ich habe es an diesem sonnigen Sonntag gleich in einem Rutsch gelesen und mich bestens unterhalten.
Jean-Pierre ist ein alter Grantler, wie aus dem Bilderbuch. Verwitwet, grummelig, einsam, mit misanthropischen Anwandlungen liegt er nach einem Unfall im Krankenhaus. Wer selbst schon mal in einem Krankenhaus liegen mußte, wird Jean-Pierre nur aus vollem Herzen zustimmen können. Privatspähre – Flötepfeifen; man ist keine Persönlichkeit mehr, sondern der Beckenbruch aus Zimmer 38. Unglaublich treffend, wie die Autorin das beschreibt.
Im Krankenhaus hat Jean-Pierre nun gezwungenermaßen Zeit, über sein Leben, den Tod und seine Mitmenschen nachzudenken und der geneigte Leser wird davon durchaus selbst zum Nachdenken angeregt :-).
Von der Autorin habe ich sogar schon ein anderes Buch gelesen. Hatte ich fast vergessen.

Mein Fazit:

„Das Leben ist ein listiger Kater“ ist so ein Buch, das ich gerne verschenken werde, weil es vielen Menschen gefallen wird.

Haig, Matt: Ich und die Menschen

Genre: Roman, Sci-Fi

Kurzbeschreibung:
In einer regnerischen Freitagnacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Er hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen. Jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel, der Frau des Professors, in die Augen blickt?

Meine Einschätzung:
Wenn mich mein Göga (Göttergatte) mit Taten oder Worten überrascht (und das ist nach 25 Jahren nicht so einfach), frage ich ihn schon mal: „Wer bist Du? Und was hast Du mit meinem Mann gemacht?“
Nach der Lektüre dieser Geschichte, werde ich in solchen Fällen genauer hingucken und vor allem die Reaktionen unserer Katze beobachten :-).
Ihr merkt schon, ich habe beschlossen, dieses Buch mit einem Augenblinzeln zu lesen und zu bewerten.
Die Idee, einen Menschen durch eine außerirdische Lebensform zu ersetzen, ist für uns Sci-Fi-Leser ja nichts Neues, denn es finden sich in der entsprechenden Literatur zahlreiche Vorbilder.
Der Autor hat mit diesem Motiv gespielt und erzählt die berührende, schräge, witzige und auch traurige Geschichte einer Familie, die kurz davor steht, sich aufzulösen.
Die Sichtweise des Vonnadorianers auf unser Leben, unsere Welt und unsere Eigenarten sind wunderbar unterhaltsam und ein klein wenig philosophisch und ganz großartig finde ich die 97 Ratschläge für einen Menschen! Die sollte der Verlag als Poster veröffentlichen ;-).
Auch das Cover finde ich übrigens richtig schön.

Mein Fazit:
Eine überraschende, witzige, schräge, tragische, berührende und hoffnungsvolle Geschichte, die bestimmt noch viele Fans finden wird.