Montero, Carla: Das Mädchen mit den Smaragdaugen


Genre: historischer Roman

Kurzbeschreibung:
Als der Kunsthistorikerin Ana García Brest ein alter Brief in die Hände fällt, ahnt sie nicht, dass er sie auf die Spur eines sensationellen Kunstfundes führen wird – und der Geschichte einer unglaublichen Liebe. Frankreich, 1942. Die junge Sarah Bauer entkommt als Einzige der Deportation ihrer Familie. Auf ihrer Flucht trägt sie einen Mantel, unter dem sie ein geheimnisvolles Bild verbirgt. Doch SS-Sturmbannführer Georg von Bergheim soll das Gemälde in seinen Besitz bringen und wird nicht ruhen, bis er es gefunden hat. Er ist Sarahs größter Feind – und bald ihre einzige Rettung …

Meine Einschätzung:
Schade, dass dieser Roman so wenige Leser gefunden hat, denn mir hat er sehr gut gefallen. Ich mag Romane, die in unterschiedlichen Zeitebenen spielen und die Thematik „Kunstraub der Nazis“ hat mich wirklich gefesselt. Immer noch unglaublich für mich, mit welcher Skrupellosigkeit in dieser Zeit vorgegangen wurde.
Die Figuren sind sehr gut charakterisiert, nur der Liebhaber von Ana ist ein wenig überzogen dargestellt und ich hätte mir Ana etwas selbstbewußter gewünscht. Aber ein Roman ist schließlich kein Wunschkonzert ;-).

Mein Fazit:
Ein historischer Roman, der mich einerseits gut unterhalten hat, aber mir auch weitere Informationen zur Geschichte des zweiten Weltkrieges vermittelt hat.

Douglas-Home, Mark: Sea Detective – Ein Grab in den Wellen


Genre: Krimi

Kurzbeschreibung:

Cal McGill ist Meeresbiologe. Seine Spezialität: per Computer die Route von Gegenständen im Wasser zu verfolgen, um Umweltsünder zur Strecke zu bringen. Doch bei seinem Einsatz für die Natur überschreitet der Sea Detective bisweilen legale Grenzen: Als er in den Gärten hochrangiger Politiker Weißen Silberwurz pflanzt, um auf den Klimawandel hinzuweisen, nimmt man ihn fest. Detective Helen Jamieson von der Polizei Edinburgh kommt der sympathische junge Mann gerade recht. Denn vor der Küste wurden kurz zuvor zwei abgetrennte Füße entdeckt. Bei ihren Recherchen stoßen Cal und Helen auf ein Netz aus Korruption, Ausbeutung und Menschenhandel. Und auf ein indisches Mädchen, das sie vielleicht noch retten können.

Meine Einschätzung:
Ausgesucht habe ich diesen Krimi, weil mich das Thema „Umweltprobleme der Weltmeere“ und „Meeresbiologie“ grundsätzlich interessiert und er im Feuilleton der FAZ am Sonntag empfohlen wurde.
Obwohl das Thema „Meeresbiologie“ im Grund überhaupt keine Rolle spielt, war ich nicht enttäuscht, sondern habe diesen spannenden, ungewöhnlichen Krimi gerne gelesen. Eigentlich sind es zwei Geschichten in einem Roman, nämlich Mädchenhandel in seiner gemeinsten Form und die Aufklärung eines Verbrechens aus dem zweiten Weltkrieg. Diese beiden so unterschiedlichen Themen werden von der Hauptfigur Cal verbunden, der ein vielschichtiger Charakter mit Ecken und Kanten ist. Die zweite Hauptfigur, die Polizistin Helen, hat mir auch richtig gut gefallen, denn sie weiß sich zu wehren in einer männerdominierten Polizeihirachie und greift dabei manchmal auch zu unkonventionellen Mitteln. Schön fies ;-).
Ein-zwei Mal habe ich gedacht, dass der Autor besser daran getan hätte, die Themen in zwei getrennte Bücher zu packen, denn ich war mit der Fülle an Informationen manchmal überfordert.
Besonders gut haben mir die Schilderungen der schottischen Insel und ihrer ehemaligen Einwohner gefallen, die die Insel aus wirtschaftlichen Gründen aufgaben, aber sehr an ihren Traditionen und Familiengeschichten festhalten.

Mein Fazit:
Ein spannender, sehr ungewöhnlicher Krimi, den ich verschlungen habe und der vielleicht als Serie ausgelegt wird. Gerne :-).

North, Claire: Die vielen Leben des Harry August


Genre: Hörbuch, Mystery-Thriller

Kurzbeschreibung:

Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass sein Leben ein Ende findet. Und er weiß auch genau, wie es weitergeht: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden ― mit all dem Wissen seiner vorigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in einer Zeitschleife lebt, auch wenn er nicht weiß, wieso. Doch dann steht kurz vor seinem Tod ein junges Mädchen an seinem Bett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und nur Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, kann das verhindern …

Meine Einschätzung:
Was für ein grandioses Gedankenspiel. Harry August gehört zu einer Gruppe von Menschen, die nach ihrem Tod im gleichen Leben wiedergeboren werden und sich an ihre vorherigen Leben erinnern können. Die Erinnerungen erlangen die Kinder ungefähr mit 4 Jahre wieder, was natürlich bei der ersten Wiedergeburt furchtbar für die Kinder ist, die sich das nicht erklären können. Deshalb schließen sich diese besonderen „Unsterblichen“ zu Clubs zusammen und helfen Neulingen, aber auch alten Wiedergeborenen durch die anstrengenden Kinderjahre. Abgefahren, oder?
Die Autorin erzählt anhand einiger ausgewählter Figuren, was einen Menschen antreibt, der sein Leben immer wieder neu gestalten kann. Harry erlernt in seinen vielen Leben alle mögliche Berufe, vom Geheimagent bis zum Förster ist alles dabei, studiert alle möglichen Fachgebiete, bereist die gesamte Welt und lernt viele, verschiedene Sprachen und begibt sich schließlich auf die Suche nach dem Verursacher des von anderen Clubmitgliedern aus der Zukunft angekündigten Weltuntergangs. Andere Unsterbliche hingegen leben ein Luxusleben, probieren jede Droge, die es gibt und sind schließlich sogar der Unsterblichkeit überdrüssig. Mir haben diese Gedankenspiel sehr gut gefallen, wenn ich mir auch gewünscht hätte, die Autorin hätte sie weiter ausgeführt, statt Harry auf die Jagd nach einem verrückten Dr. No zu schicken, der sich in den Kopf gesetzt hat, göttliche Weisheit mithilfe der Wissenschaft zu erlangen.
Faszinierend fand ich auch Harrys Schilderungen des Zweiten Weltkrieges, wie er in einem Leben zum Helden wurde und in anderen Leben alles Mögliche unternahm, um dem Krieg zu entgehen. Auch der Umgang der Clubmitglieder mit dem Tod war schräg, aber interessant.
Die 15 Stunden Hörbuch, wunderbar gelesen von Stefan Kaminski, sind jedenfalls sehr unterhaltsam und bis auf kleine Schwächen in der Geschichte und einem Ende, das mich nicht komplett überzeugen konnte, bin ich begeistert.

Mein Fazit:
Ich bin begeistert von dieser ungewöhnlichen Geschichte ala „Und täglich grüßt das Murmeltier“, die sicher noch länger in meinem Hirn herumspuken wird.

Archer, Jeffrey: Das Vermächtnis des Vaters (2)


Genre: Roman, historisch

Reihenfolge der Clifton-Saga:
Teil 1: Spiel der Zeit
Teil 2: Das Vermächtnis des Vaters
Teil 3: Erbe und Schicksal
Teil 4: Im Schatten unserer Wünsche
Teil 5: Die Wege der Macht
Teil 6: Möge die Stunde kommen

Kurzbeschreibung:
Harry Clifton, aufgewachsen bei den Hafendocks in Bristol, und Giles Barrington, Nachkömmling einer großen Schifffahrt-Dynastie, verbindet seit ihrer Jugend eine tiefe Freundschaft. Aus der Enge des Arbeitermilieus hat Harry es auf eine Eliteschule geschafft und steht als junger Mann jetzt an der Seite seiner großen Liebe Emma, der Schwester von Giles. Mit dem Eintritt Englands in den Zweiten Weltkrieg 1939 werden die Schicksale beider Familien erschüttert. Giles gerät in Kriegsgefangenschaft und Harry verschlägt es von Bristol nach New York, wo er eines Mordes angeklagt und verhaftet wird. Emma, macht sich auf, um den Mann zu retten, den sie liebt …

Meine Einschätzung:
Hachja, die Serie hat das Zeug zum Lieblingsschmöker. Die Geschichte wird aus der Sicht der verschiedenen Hauptfiguren erzählt, was ich ganz reizvoll finde, da man den Figuren so schön nahe kommt. Es gibt jede Menge romantische, witzige, gefühlvolle, tragische oder spannende Szenen und man mag das Buch kaum aus der Hand legen.
Vielleicht ist mir das gerade zu viel von alledem? Aber nein, ich habe den Schinken in zwei Tage verschlungen und der nächste Band liegt auch schon bereit.

Mein Fazit:
Historischer Schmöker mit Schmachtfaktor gesucht??? Na dann, rann an die Clifton-Saga ;-).

Archer, Jeffrey: Spiel der Zeit (1)

Genre: Historischer Roman

Reihenfolge der Clifton-Saga:
Teil 1: Spiel der Zeit
Teil 2: Das Vermächtnis des Vaters
Teil 3: Erbe und Schicksal
Teil 4: Im Schatten unserer Wünsche
Teil 5: Die Wege der Macht
Teil 6: Möge die Stunde kommen

Kurzbeschreibung:
England um 1930: Der junge Harry Clifton wächst an den Hafendocks von Bristol heran, seine Mutter Maisie muss sich mit harter Arbeit durchschlagen. Um den Tod von Harrys Vater, der angeblich im Krieg gefallen ist, rankt sich ein Geheimnis. Harrys Leben nimmt eine Wendung, als er das Stipendium für eine Eliteschule erhält. Er tritt ein in die Welt der Reichen und lernt Giles Barrington sowie dessen Schwester Emma kennen, Erben einer Schifffahrts- Dynastie. Harry verliebt sich in Emma, ohne zu ahnen, dass die Schicksale ihrer Familien auf tragische Weise miteinander verknüpft sind …

Meine Einschätzung:
Eine ganze Weile habe ich um Schmöker dieser Kategorie einen weiten Bogen gemacht. Ken Follets Jahrhundert-Trilogie steht vorwurfsvoll und von mir ungelesen im Bücherregal, denn seine 100derte Seiten füllenden Beschreibungen der Pestausbrüche in Europa aus „Tore der Welt“ waren mir irgendwann zuviel.
Jeffrey Archers Geschichte hingegen läßt keinerlei Langeweile aufkommen. Aus der Sicht verschiedener Protagonisten erzählt er eine spannende Geschichte über Liebe, Egoismus, Standesdünkel, Freundschaft, Mutterliebe, Familiengeheimnisse, Ehrenhaftigkeit und Loyalität. Anfangs habe ich beführchtet, dass der Wechsel der Erzählperspektiven zu ermüdenden Wiederholungen führen würde, aber dem ist nicht so. Vielmehr wird die Geschichte aus der Sicht verschiedener Beteiligter intensiv beleuchtet und man lernt die Protagonisten viel besser kennen, als bei einem auktorialen Erzähler.
Über die Geschichte selbst will ich gar nicht viel verraten, denn sie ist voller Geheimnisse und Überraschungen und am Ende ist mir tatsächlich ein Sch… entschlüpft. 😉

Mein Fazit:
Ein sehr britischer, historischer Roman, der mir großen Lesespaß gemacht hat.

Föhr, Andreas: Totensonntag

Genre: (Regional)Krimi

Reihenfolge der Serie mit Kommissar Wallner:
Teil 1: Der Prinzessinenmörder
Teil 2: Schafkopf
Teil 3: Karwoche
Teil 4: Schwarze Piste
Teil 5: Totensonntag
Teil 6: Wolfsschlucht


Kurzbeschreibung:

TOTENSONNTAG erzählt Kommissar Wallners allerersten Fall: Im Herbst 1992 ist Clemens Wallner frischgebackener Kriminalkommissar. Bei einem Besäufnis auf einer Berghütte am Tegernsee, zu dem Kreuthner ihn mitgenommen hatte, geraten Wallner und Kreuthner in eine Geiselnahme. Vom Geiselnehmer erfährt Wallner von einer dramatischen Geschichte, die sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ereignet hat und die Kreuthner alias »Leichen-Leo« den Hinweis zur Entdeckung seiner ersten Toten liefert. Es handelt sich um ein Skelett in einem edelsteinbesetzten Sarg mit einer Kugel im Schädel …

Meine Einschätzung:

Für meinen Kurztripp nach Bayern hatte ich mir extra Andreas Föhr aufgehoben :-).
Der Kriminalfall, dem Wallner und Kreuthner eher zufällig auf die Spur kommen, liegt viele Jahre zurück, nämlich ziemlich genau am Ende des Zweiten Weltkrieges und wird vom Autor durch Rückblenden detailliert beschrieben. Es ist die tragische Geschichte einer jungen Frau mit jüdischen Wurzeln, die tief in der bayrischen Provinz von den mutlosen Einwohnern an zwei sadistische SS-Schergen verraten wird. Dem Autor gelingt es meiner Meinung nach richtig gut, die damalige Stimmung einzufangen und die Situation aller Beteiligten plausibel zu schildern.
Diesem ernsten und tragischen Geschehen stehen die Ermittlungsbemühungen von Wallner und einer jungen Staatsanwältin gegenüber. Außerdem pfuscht auch noch Kreuthner in den Ermittlungen herum und verursacht Chaos, wo er nur auftaucht. Obwohl ich manchmal nur den Kopf über seine abstrusen Ideen schütteln konnte, mußte ich dann doch lachen, wenn er sich mit der unkonventionellen Staatsanwältin zusammen tat und Wallner damit ganz schön in die Bredouille brachte.
Mit diesen humoristischen Einlagen schrammt der Autor zwar manchmal ganz schön nah am Klamauk vorbei, aber irgendwie verzeihe ich ihm das :-).
Ich fand diesen Krimi spannend, stellenweise witzig, tragisch und interessant. Eine gute Mischung, oder?

Mein Fazit:
Mit diesem unterhaltsamen Krimi springt der Autor zurück in die Jugend des Hauptermittlers und in die 40iger Jahre. Spannend, unterhaltsam und keineswegs nur für Bayernfans empfehlenswert ;-).

Gilbers, Harald: Germania

Genre: Roman, Krimi

Kurzbeschreibung:
In der zerbombten Reichshauptstadt macht ein Serienmörder Jagd auf Frauen und legt die verstümmelten Leichen vor Kriegerdenkmälern ab. Alle Opfer hatten eine Verbindung zur NSDAP. Doch laut einem Bekennerschreiben ist der Täter kein Regimegegner, sondern ein linientreuer Nazi. Der jüdische Kommissar Richard Oppenheimer, einst erfolgreichster Ermittler der Kripo Berlin, wird von der Gestapo reaktiviert. Für Oppenheimer geht es nicht nur um das Überleben anderer, sondern nicht zuletzt um sein eigenes. Womöglich erst recht dann, wenn er den Fall lösen sollte. Fieberhaft sucht er einen Ausweg aus diesem gefährlichen Spiel.

Meine Einschätzung:
Das Leben in Berlin im ständigen Bombardement gegen Ende des zweiten Weltkrieges muß furchtbar gewesen sein. Der Autor beschreibt das sehr detailreich, bildhaft und beklemmend. Noch viel schlimmer ergeht es den noch verbliebenen Juden, die in kleinen „Judenhäusern“ zusammengepfercht werden, keinen Anspruch auf Nahrungsmittelkarten haben und jeden Tag abgeholt werden können. Als nachts plötzlich die SS in Oppenheimers Schlafzimmer steht, rechnet er nicht ernsthaft damit, den nächsten Tag zu erleben.
Aber ein junger Nazi-Offizier, der mit den Ermittlungen einer heiklen Mordserie betraut wurde, braucht die Unterstützung des erfahrenen Ermittlers und so balanciert der jüdische Kommissar auf einem haarscharfen Schwert, immer bedroht durch seine Herkunft.
Mich hat dieser Roman begeistert! Der Autor schafft es, die trostlose, angsterfüllte, misstrauische Stimmung der Berliner Bevölkerung einzufangen. Die hoffnungslose Lage der Juden, die bizarre Weltanschauung der Nazis, den in alle Lebensbereich hineinragenden Parteiapparat, die Nazi-Progaganda im Gegensatz zu den heimlich übermittelten Nachrichten, all das vermittelt er dem Leser überzeugend, ohne dabei belehrend zu sein. Das hat mir richtig gut gefallen.
Auch der Kriminalfall wird von Harald Gilbers spannend und nachvollziehbar aufbereitet und der Leser kann den Ermittlern Schritt für Schritt folgen – durch ein zerstörtes Berlin.
Die Hauptfiguren Oppenheimer, der Nazi-Offizier Vogler und die Widerstandskämpferin Hilde sind interessante, dreidimensionale Figuren, deren Gedanken und Handlungen mich bewegt haben. Einzig Oppenheimers Ehefrau bleibt leider etwas blass.
Der Schreibstil des Autors ist irgendwie unaufgeregt und flüssig lesbar und ausnehmend gut gefällt mir auch das schwarz-weiße Cover.

Mein Fazit:
Wer heute Berlin besucht, mit seinen prachtvollen Plätzen und Bauten, vergißt leicht (oder weiß vielleicht nicht), dass die Stadt und ihre Bewohner vor 70 Jahren einen Weltuntergang erlebten. Harald Gilbers Roman trägt dazu bei, das nicht zu vergessen. Ich sage nur: LESEN!

Mayer, Gina: Das Maikäfermädchen

Genre: Roman

Kurzbeschreibung:
„Maikäfer flieg – der Vater ist im Krieg“ Sommer 1945. Deutschland liegt in Trümmern, von Düsseldorf sind nur noch Ruinen übrig. Die Hebamme Käthe Mertens leidet unter der Trennung von ihrem Mann Wolf, der im Krieg verschollen ist. Eines Nachts taucht eine junge Frau bei ihr auf. Ingrid ist schwanger und völlig verstört. Sie will Käthe nicht sagen, wer der Vater ihres Kindes ist, sondern summt immer nur die Melodie von „Maikäfer flieg“. Käthe zögert nicht lange, sie hilft Ingrid, indem sie in einer halb zerstörten Arztpraxis eine Abtreibung vornimmt. Ingrid verschwindet nach dem Eingriff spurlos, aber wenige Wochen später erscheint ein anderes junges Mädchen bei Käthe, das ebenfalls schwanger ist. Zusammen mit ihrer Freundin Lilo beschließt Käthe, bedrängten Frauen zu helfen – trotz der Gefahr, als „Engelmacherin“ im Gefängnis zu landen. Dann taucht Ingrid wieder auf, erneut schwanger, und beginnt Käthe zu erpressen. Die berührende Geschichte zweier Frauen im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland – ein Roman über Suche, Wahrheit und die Kraft, sein Leben zu meistern.

Meine Einschätzung:
Das ist die sehr bewegende Geschichte zweier Frauen, die nach Kriegsende um das nackte Überleben ihrer Familien kämpfen. Ich habe schon einige Geschichten, die diese Zeit betreffen, gelesen. Das ist die Zeit meiner Großmütter gewesen, die sie als Jugendliche oder junge Erwachsene durchleiden mußten und deshalb interessiert sie mich so. Frau Mayer beschreibt die Figuren sehr realistisch und lebensnah. Da wird nichts beschönigt oder verklärt betrachtet. Knapp und schnörkellos erzählt sie von den grauenvollen, tragischen und traurigen Ereignissen, aber auch von den Hoffnungsschimmern am Horizont.

Mein Fazit:
Wer sich für das Schicksal deutscher Frauen in der Nachkriegszeit interessiert, wird mit „Maikäfermädchen“ einen gut recherchierten, unschwülstig Roman in die Hände bekommen.

Gesthuysen, Anne: Wir sind doch Schwestern

Genre: Roman

Kurzbeschreibung:
Katty, Paula und Gertrud treffen sich zu Gertruds 100. Geburtstag. Sie wollen ihre Zukunft planen, doch vorher gilt es, die Vergangenheit zu klären. Gertrud hat noch gute Augen, aber hören kann und will sie nicht. Paula kann kaum noch sehen, hat aber immer ein offenes Ohr für ihre Schwestern. Und Katty, das Nesthäkchen, will auch mit 84 Jahren Feste feiern, wie sie fallen, so wie damals, als sie schon meisterhaft beherrschte, was man viel später erst PR nannte. Allen gemeinsam sind Eigensinn, Humor und eine angeborene Kreislaufschwäche, die mit exorbitant starkem Kaffee und gutem Schnaps bekämpft wird – so auch in diesen Tagen auf dem Tellemannshof, wo in jedem Winkel die Erinnerung lauert. Eindringlich verwebt Anne Gesthuysen Gegenwart und Vergangenheit und entfacht dabei ein Feuerwerk von Geschichten, die sich quer durch das 20. Jahrhundert ziehen. Sie erzählt von Katty, der charmanten Strippenzieherin, ihrer Verehrung für Adenauer und ihrer Liebe zu einem unerreichbaren Volksvertreter, von Gertruds schicksalhafter Verlobung und dem Spion, den sie versteckte. Von Paula, die ihren Mann an Männer verlor und stets die Lebenslust bewahrte. Vom Tausch eines Huhns gegen ein Rembrandtgemälde, von einem Leumundsprozess, der den gesamten Niederrhein in Atem hielt, und von drei starken Frauen mit dem Mut zur Eigenständigkeit. Große Lebensgeschichten verbinden sich mit herrlichen Anekdoten, das Weltgeschehen mit dem Leben in Wardt bei Xanten.

Meine Einschätzung:

Dieser Roman erzählt die Lebensgeschichten dreier (inzwischen betagter) Schwestern aus einer ganz normalen deutschen bäuerlichen Familie am Niederrhein.
Ähnliche Geschichten könnten sicher in vielen Familien erzählt werden, aber zumindest in meiner Familie sind die Urgroßmütter und Großmütter eher zurückhaltend gewesen, wenn es darum ging, aus ihrer Vergangenheit zu erzählen.
Natürlich spielt die Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg eine besonders wichtige Rolle, denn zu dieser Zeit waren die Frauen in einem Altern, in dem Ehen geschlossen und Berufe erlernt werden. Ihre Geschichten werden von der Autorin sehr bewegend erzählt, aber trotzdem erschien mir der Roman an manchen Stellen langatmig und auch langweilig. Mir fehlte einfach ein Spannungsbogen. Ein hundertster Geburtstag allein reicht da doch nicht aus.
Sehr gut gefallen haben mir die regionalen Bezüge, denn ich komme selbst vom Mittelrhein ;-). Gut gefallen haben mir auch die lebensklugen Sprüche und Gedanken der Schwestern, die mich manchmal haben schmunzeln lassen und zum Nachdenken anregen.
Alles in allem hatte ich mehr von diesem Roman erwartet und wenn ich einen Familienroman vorschlagen sollte, der sich mit dieser Zeit und einer deutschen Familie beschäftigt, dann würde Silvia Tennenbaums „Straßen von gestern“ vorschlagen.

Mein Fazit:
Ein bewegender Familienroman aus der jüngeren deutschen Vergangeheit, der aber seine Längen hat.

Knorr, Albert: Goldgelbes Schatzfieber – Sacer Sanguis Pirates

Genre: Roman, Abenteuerroman

Kurzbeschreibung:
Lady Pendergast ist eine Britin vom alten Schlag: Sie diktiert die Marschrichtung, das Empire folgt! Diesmal hat sie sich in den Kopf gesetzt, für ihren Museumsclub einen Piratenschatz in Frankreich zu heben. Mangels Freiwilliger verstärkt sie ihr verwegenes Einsatzteam kurzerhand mit schrulligen Clubmitgliedern und dem Hausmeister. Aber das Schatzfieber lockt auch skrupellose Verbrecher in die Normandie. Dort, wo 1944 die Alliierten gelandet sind, entbrennt erneut ein Kampf auf Leben und Tod. Nur Lady Pendergast stapft unbeirrt in ihren selbstgehäkelten Kniestrümpfen über die Landungsstrände und will bloß eines: das Gold finden.

Meine Einschätzung:
Eine Prise Indiana Jones, eine Prise Miss Marple, eine Prise James Bond, dazu ein paar verrückte Ideen, ein paar fundierte historische Fakten und fertig ist ein witziger, spannender Abenteuerroman.
Albert Knorr kann wunderbar detailreich Actionszenen beschreiben, so dass ich den Ablauf wirklich vor mir sehe und auch seine Ortsbeschreibungen sind toll. Dankenswerterweise hat er auch gleich ein paar Fotos seiner Recherchereisen zum Einkleben ins Buch für den Leser bereitgestellt. Nett, oder?
Die schräge Truppe, die in der Geschichte auf Schatzsuche geht, hat mich mehrmals zum Lachen gebracht. Da es an einigen Stellen auch recht gruselig wird, ist „Sacer Sanguis Pirates“ die perfekte Halloween-Lektüre. 😉
Kleine Abzüge in der B-Note gibt es von mir für die offenen Fragen, die sich mir stellen. Wer und was ist Mcleish? Was war nun wirklich in den Schatzkisten? (Genauer kann ich die Frage nicht stellen, will ja nicht spoilern) Das hastige Ende.
Außerdem ist die Geschichte nicht ganz so rasant und spannend, wie die Vorgängerbände. Trotzdem habe ich mich blendend unterhalten und hoffe, dass der Autor bald wieder an einer neuen Geschichte schreibt

Mein Fazit:
Ein witziger Abenteuerroman, der mir großen Spaß gemacht hat.

Hier geht es zu Autorenwebseite: klick

Weitere Bücher des Autoren, die ich gelesen habe (Der Wille des Autors und nicht die Nummerierung der Titel bestimmt die Lesereihenfolge ;-)):
Sacer Sanguis II
Sacer Saguis III
Sacer Sanguis I
Sacer Sanguis IV – Snowdown in England
Sacer Sanguis Evolution
Sacer Sanguis Genetics

Lennox, Judith: Das Herz der Nacht

Genre: Roman
Hörbuch

Kurzbeschreibung:
Der russische Millionär Denisov stellt 1936 in London die mittellose Kay Garland als Gesellschafterin für seine 16-jährige Tochter Miranda ein – der Grundstein für eine großartige Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Mädchen. Zwei Jahre später zieht Kay mit den Denisovs nach Berlin. Auf einer gemeinsamen Reise verliebt sich Miranda in den Pariser Filmemacher Olivier. Kay verhilft dem Liebespaar zu heimlichen Treffen. Als Denisov dennoch von der Beziehung erfährt, entläßt er Kay und unterbindet jeden Briefverkehr zwischen den Freundinnen. Mittellos kehrt Kay nach London zurück, während Miranda statt Olivier einen ostpreußischen Grafen heiratet … Judith Lennox erzählt vor dem Hintergrund der europäsichen Kriegswirren die temporeiche Geschichte zweier Frauen, die trotz widriger Umstände niemals aufgeben, um ihr Glück und ihre Freundschaft zu kämpfen.

Meine Einschätzung:
Eine sehr schöne, tragische und spannende Geschichte zweier junger Frauen, die die 30iger und 40iger Jahre in Europa durchlebt und durchlitten haben und trotzdem nie aufgegeben haben.
Die Lesung von Anna Thalbach paßt wunderbar dazu.

Mein Fazit:
Ein toller Roman!