Seghers, Jan: Der Solist

Genre: Krimi

Kurzbeschreibung:
September 2017. Der Frankfurter Ermittler Neuhaus stößt zur neu gegründeten Berliner «Sondereinheit Terrorabwehr», die in einer Baracke auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof residiert. Die Bundestagswahlen stehen bevor, in der Hauptstadt hat sich die Gefährdungslage drastisch verschärft. Neuhaus ist ein erfahrener Ermittler, doch die Berliner Kollegen begegnen ihm mit Skepsis. Nur die junge Deutschtürkin Suna-Marie kooperiert mit ihm.
Da erschüttert eine Serie von Morden die Hauptstadt. Das erste Opfer: ein jüdischer Aktivist, das zweite eine muslimische Anwältin, weitere folgen.
Was verbindet die Fälle? Neuhaus, der Solist, macht sich auf die Suche. Und in dieser Stadt, in der einen überall die Vergangenheit anspringt und die Gegenwart bedrängt, kämpft er allein. Fast allein.

Meine Einschätzung:
Der Frankfurter Autor Jan Seghers ist auch über Hessen hinaus für seine Marthaler-Krimiserie, die auch für das Fernsehen verfilmt wurde, bekannt.
Der vorliegende Krimi ist offenbar der Start einer neuen Serie um den Frankfurter Ermittler Neuhaus.
Dieser Neuhaus ist kein Teamplayer und die Zusammenarbeit mit den Berliner Kollegen, die er bei den Ermittlungen in einem spektakulären Mordfall unterstützen soll, gestaltet sich schwierig.
Mehr will ich über die Geschichte nicht verraten, die wirklich spannend und mitreißend ist und mehr als einmal dachte ich: Boah, das wird ein toller Film werden.
Aber …
Für meinen Geschmack greift der Autor ein wenig zu tief in die Klischee-Kiste. Die Figuren sind mir zum Teil zu einfach gestrickt, zu durchsichtig, zu plakativ. Und auch beim Plot hätte ich mir gefreut, wenn er ein paar Überraschungen geboten hätte.

Mein Fazit:
Ein unbestritten spannender Krimi, gut geschrieben und voller Action mit einer interessanter Hauptfigur.

Carl-Graf, Tobias: Das Geheimnis der Jagowstraße – Tom Shark, König der Detektive 2

Genre: Hörspiel, Krimi

Reihenfolge der Tom Shark-Hörspielserie:
Teil 1: Das Hotelgespenst
Teil 2: Das Geheimnis der Jagowstraße

Kurzbeschreibung:
Aufgestachelt durch eine Geheimratswitwe jagen Tom Shark und sein Kamerad eine Bande von Panzerschrankknackern. Diese Halunken werden angeführt von Buster Malcolm, einem Gauner aus Amerika, den Shark seinerzeit dort einbunkern lies. Und irgendwie haben ein verschollener Student und die verlassene Villa in der Jagowstraße etwas damit zu tun. Genug Geheimnisse, um den König der Detektive von seinen Ägyptischen wegzulocken, direkt hinein in ein weiteres aufregendes Unterfangen!
Wer ist Tom Shark? Nur wenige unser Hörer kennen diesen kühnen Mann, kennen ihn nur aus kurzen Notizen der amerikanischen Presse, die schon seit Jahren von seinen oft fast unglaublich anmutenden Heldentaten zu berichten weiß. Tom Shark, der unübertroffene Meisterdetektiv, ist nun endlich heimgekehrt! Heimgekehrt? Ja, heimgekehrt nach Deutschland, denn in Deutschland wurde er geboren, das Blut einer deutschen Mutter fließt in seinen Adern. Tom Shark befindet sich also augenblicklich in Berlin, der Heimatstadt seiner Mutter, wo er auch einen Teil seiner Jugendjahre verbrachte. Mit ihm kam sein unzertrennlicher Freund und Gehilfe Dr. Pitt Strong, der uns die Abenteuer Tom Sharks in seiner bekannten, fesselnden Weise schildern wird.

Mein Einschätzung:
Leider hat mir auch der zweite Teil nicht besonders gut gefallen. Mir ist die Story zu überdreht.
Hörspieltechnisch ist die Serie aber grandios umgesetzt.

Mein Fazit:
Finde die Charaktere doof und die Geschichten sind auch nicht mein Fall. Schade, denn sonst ist die Serie klasse gemacht.

Carl-Graf, Tobias: Das Hotelgespenst – Tom Shark, König der Detektive 1

Genre: Hörspiel, Krimi

Reihenfolge der Tom Shark-Hörspielserie:
Teil 1: Das Hotelgespenst
Teil 2: Das Geheimnis der Jagowstraße

Kurzbeschreibung:
Tom Shark und sein Freund Pit Strong müssen eine mysteriöse Verbrechensreihe in einem Nobelhotel aufklären. Die arglosen Gäste des Etablissements werden auf geheimnisvolle Weise bestohlen.
Wer ist Tom Shark? Nur wenige unser Hörer kennen diesen kühnen Mann, kennen ihn nur aus kurzen Notizen der amerikanischen Presse, die schon seit Jahren von seinen oft fast unglaublich anmutenden Heldentaten zu berichten weiß. Tom Shark, der unübertroffene Meisterdetektiv, ist nun endlich heimgekehrt! Heimgekehrt? Ja, heimgekehrt nach Deutschland, denn in Deutschland wurde er geboren, das Blut einer deutschen Mutter fließt in seinen Adern. Tom Shark befindet sich also augenblicklich in Berlin, der Heimatstadt seiner Mutter, wo er auch einen Teil seiner Jugendjahre verbrachte. Mit ihm kam sein unzertrennlicher Freund und Gehilfe Dr. Pitt Strong, der uns die Abenteuer Tom Sharks in seiner bekannten, fesselnden Weise schildern wird. Seiner Feder entspringen die abenteuerlichen Geschichten. Mit seiner begnadeten Schreibe und den fesselnden Schilderungen erleben wir die Abenteuer des Königs der Detektive.

Meine Einschätzung:
Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob das eine Persiflage auf Detektivromane sein soll? Jedenfalls ist diese Hörspiel ein wenig schräg, lustig? Naja, ein wenig.
Inszeniert ist das Hörspiel sehr gut, tolle Sprecher, atmosphärische Musik und passende Geräuschkulisse. Kino für die Ohren, aber die Geschichte war jetzt nicht so mein Fall.

Mein Fazit:
Das Hörspiel ist sehr gut gemacht, die Story ist nicht mein Geschmack.

Stern, Anne: Fräulein Gold – Schatten und Licht

Genre: Roman, historisch

Kurzbeschreibung:
1922: Hulda Gold ist gewitzt und unerschrocken und im Viertel äußerst beliebt. Durch ihre Hausbesuche begegnet die Hebamme den unterschiedlichsten Menschen, wobei ihr das Schicksal der Frauen besonders am Herzen liegt. Der Große Krieg hat tiefe Wunden hinterlassen, und die junge Republik ist zwar von Aufbruchsstimmung, aber auch von bitterer Armut geprägt. Hulda neigt durch ihre engagierte Art dazu, sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Zumal sie bei ihrer Arbeit nicht nur neuem Leben begegnet, sondern auch dem Tod. Im berüchtigten Bülowbogen, einem der vielen Elendsviertel der Stadt, kümmert sich Hulda um eine Schwangere. Die junge Frau ist erschüttert, weil man ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden hat. Ein tragischer Unfall. Aber wieso interessiert sich der undurchsichtige Kriminalkommissar Karl North für den Fall? Hulda stellt Nachforschungen an und gerät dabei immer tiefer in die Abgründe einer Stadt, in der Schatten und Licht dicht beieinanderliegen.

Meine Einschätzung:
Das Berlin der 20iger Jahren ist spätestens seit der Serie „Babylon Berlin“ ein interessantes Romanthema.
Ausnahmsweise ist der Klappentext mal richtig aussagekräft ;-). Die Autorin malt ein detailreiches Bild von Berlin und den Menschen, die dort leben. Dabei legt sie den Schwerpunkt auf die „kleinen“ Leute und auf die ganz Armen, auf Straßenkinder, Prostituierte und Kriegsversehrte. Auch die politischen Entwicklungen der Weimarer Republik fließen in die Geschichte ein und lassen mich schaudern, wenn ich daran denke, wohin das alles führte …
Ich freue mich jedenfalls sehr, Hulda kennengelernt zu haben und bin schon gespannt, wie sie sich in den Bänden, die demnächst erscheinen sollen, entwickeln wird.

Mein Fazit:
Und noch eine Geschichte einer starken Frau, die sich in einer frauenfeindlichen Gesellschaft behauptet. Lesen, meine Damen!

Fitzek, Sebastian; Kliesch, Vincent: Auris 2

Genre: Hörspiel, Thriller

Reihenfolge der Serie:
Teil 1: Auris
Teil 2: Auris 2

Kurzbeschreibung:
„Hilfe, mein Baby ist weg! Hier ist nur Blut …“ Ein Anruf schreckt die Berliner Polizei auf, denn das Gespräch endet abrupt, bevor die Anruferin identifiziert werden kann. Nur eine Person kann dem mysteriösen Hilferuf auf die Spur kommen: Matthias Hegel. Mit einer elektronischen Fußfessel versehen darf der geniale Audio-Profiler die U-Haft verlassen. Kaum draußen, kontaktiert Hegel erneut Bloggerin Jula, die ihm helfen soll den Säugling zu finden, bevor es zu spät ist.
Eigentlich will die True-Crime-Podcasterin mit dem undurchsichtigen Hegel nichts mehr zu tun haben. Zu tief haben sich die schrecklichen Erinnerungen an das manipulative Spiel des Profilers in ihrem Gedächtnis eingebrannt. Jula will sich nicht wieder zu seiner Marionette machen lassen, steigt aber trotzdem in den Fall ein. Sie ahnt, dass mehr dahintersteckt – wenn sie Hegels Geheimnis lüften kann, hat sie eine Chance endlich an Informationen über ihren Bruder zu kommen. Doch die Suche nach dem Baby wird zu einem tödlichen Wettlauf gegen die Zeit …
Im zweiten Teil von Auris spinnt das Bestseller-Autorenduo Vincent Kliesch und Sebastian Fitzek das gefährliche Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hegel und Jula weiter und natürlich ist wieder nichts so, wie es scheint. In dem Audio-Thriller werden menschliche Abgründe, blinde Liebe und eiskalte Berechnung zu einem spannenden Hörspiel verwoben, das mit seinen unerwarteten Wendungen die Hörer in den Bann zu ziehen weiß.

Meine Einschätzung:
Auch der zweite Teil ist Hörspieltechnisch großartig umgesetzt. Ich liebe das.
Auris 2 ist wieder spannungs- und wendungsreich mit interessanten, neuen Charakteren.
Allerdings ist mir die Geschichte salopp gesagt zu psycholastig. Das ist ja nicht so mein Fall ;-).

Mein Fazit:
Ein wendungsreicher Thriller als Hörspiel grandios umgesetzt. Kino für die Ohren!

Fitzek, Sebastian; Kliesch, Vincent: Auris (1)

Genre: Hörspiel, Thriller

Reihenfolge der Serie:
Teil 1: Auris
Teil 2: Auris 2
Teil 3: Auris 3


Kurzbeschreibung:
Matthias Hegel ist forensischer Phonetiker und der beste Audio-Profiler Deutschlands. Er ist imstande, nur anhand von Tönen, Geräuschen, Dialekten und Stimmfarben ein psychologisches und optisches Profil von Menschen zu erstellen. Dank ihm sitzen einige der gefährlichsten Straftäter im Gefängnis. Erpresser, Geiselnehmer, Attentäter, von denen die Ermittler oftmals nur kurze Audiomitschnitte hatten. Hegel ist faszinierend, charismatisch, schwer durchschaubar. Und: Er sitzt in Einzelhaft.
Vor einem Jahr hat er eine obdachlose Frau bestialisch ermordet. Die Beweislast war erdrückend. Hegel selbst hat die Tat gestanden und die Polizei zur Leiche geführt. Und dennoch glaubt die Öffentlichkeit an einen Justizirrtum. Wieso soll einer der klügsten Berater der Polizei einen so stümperhaften, scheinbar motivlosen Mord begangen haben? Wieso lehnt Hegel jede Verteidigung ab? Und weshalb verweigert er sich allen Interviews – selbst dem mit der jungen True-Crime-Bloggerin Jula Ansorge, die während ihrer Recherche auf Ungereimtheiten stößt, die seine Unschuld beweisen könnten?
Angetrieben durch einen traumatischen Vorfall in ihrer Vergangenheit, lässt Jula sich durch Hegels ablehnende Haltung nicht beirren und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an, die erst ihr engstes Umfeld und dann sie selbst zu dem Spielball des Wahnsinns werden lassen.

Meine Einschätzung:
Obwohl ich den Thriller bereits gelesen habe oder vielleicht gerade weil ich ihn bereits gelesen habe, habe ich mir das Hörspiel dazu angehört und bin begeistert.
Die Geschichte ist nicht komplett identisch, im Hörspiel fehlen einige besonders grausame Details, aber nichts desto trotz ist es sehr spannend und hat mir in der Hörspielfassung noch um einiges besser gefallen, als in Buchform.
Die technische Hörspielumsetzung ist sehr gut, die Stimmen sind sehr gut besetzt, wobei mir persönlich die Stimme von Jula überhaupt nicht gefallen hat, aber das ist ja Geschmacksache.

Mein Fazit:
Ein wendungsreicher Thriller als Hörspiel grandios umgesetzt. Kino für die Ohren!

Herrmann, Elisabeth: Requiem für einen Freund

Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie: Joachim Vernau
Teil 1: Das Kindermädchen
Teil 2: Die 7. Stunde
Teil 3: Die letzte Instanz
Teil 4: Versunkene Gräber
Teil 5: Totengebet
Teil 6: Requiem für einen Freund

Kurzbeschreibung:
Eines Tages bekommt der Berliner Anwalt Joachim Vernau eine Betriebsprüfung. Zu seinem Erstaunen verbeißt sich der Beamte in eine Jahre alte Restaurantquittung – und liegt wenig später erschossen in Vernaus Büro. Die Polizei geht von Selbstmord aus, aber Vernau hegt Zweifel. Vor allem als er herausfindet, dass der Beamte heimlich im Fall einer prominenten Steuerfahnderin ermittelt hat, die unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen war. Ein Netz aus Korruption und Gewalt zieht sich bis in die höchsten Kreise Berlins – und Vernau gerät ins Visier der Schattenmänner, die jeden aus dem Weg räumen, der ihre Kreise stört …

Meine Einschätzung:
Ich hatte Joachim Vernau schon sehr vermisst. 🙂 Obwohl ich nach den Verfilmungen tatsächlich immer Josef Liefers in dieser Rolle vor Augen habe, bin ich damit ausnahmsweise aber mal nicht unglücklich, weil ich ihn exzellent besetzt finde.
Vernau hat in diesem Band wieder einmal großes Pech. Eine Betriebsprüfung und obendrein über die Jahre, in denen er eine Bürogemeinschaft mit Marie-Luise hatte, deren Buchführung aus Schuhkartons mit losen Zetteln besteht. Dann wird auch noch der Betriebsprüfer tot in Vernaus Büro gefunden, eine Quittung verschwindet, Vernaus Freund und Anwalt Marquardt benimmt sich seltsam, Vernau bekommt unseriöse Angebote, eine Ersatzbetriebsprüferin, die Belege mitgehen lässt und dann verschwindet sein Freund von der Bildfläche …
Großartig! Ich mag es sehr, wie Elisabeth Herrmann ihre Netze spinnt, mich auf falsche Fährten lockt, der Geschichte plötzlich eine ganz andere Wendung gibt, Figuren aus der Vergangenheit auftauchen lässt und der arme Vernau stolpert mit mir durch dieses Szenario. Manchmal möchte ich ihn schütteln, weil er im Umgang mit den Frauen in seinem Leben einfach ein Trottel ist ;-), aber er hat das Herz auf dem rechten Fleck. (Kann man sich in einen Romanhelden verlieben???)
Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was Frau Herrmann bezüglich des Immobilienmarktes in Berlin andeutet, dann kann einem Angst und Bange werden. Skandalös!

Mein Fazit:
Spannend, witzig, schräg, skandalös! Elisabeth Herrmann hat einen tollen neuen Vernau-Krimi geschrieben. Danke sehr!

Oskamp, Katja: Marzahn mon amour – Geschichten einer Fußpflegerin

Genre: Roman, zeitgenössisch

Kurzbeschreibung:
Katja Oskamp ist Mitte vierzig, als ihr das Leben fad wird. Das Kind ist aus dem Haus, der Mann ist krank, die Schriftstellerei, der sie sich bis dahin gewidmet hat: ein Feld der Enttäuschungen. Also macht sie etwas, was für andere dem Scheitern gleichkäme: Sie wird Fußpflegerin in Berlin-Marzahn, einst das größte Plattenbaugebiet der DDR. Und schreibt auf, was sie dabei hört – Geschichten wie die von Herrn Paulke, vor vierzig Jahren einer der ersten Bewohner des Viertels, Frau Guse, die sich im Rückwärtsgang von der Welt entfernt, oder Herrn Pietsch, dem Ex-Funktionär mit der karierten Schiebermütze. Geschichten voller Menschlichkeit und Witz, Wunderwerke über den Menschen an sich – von seinen Füßen her betrachtet.

Meine Einschätzung:
Jede Krise hat auch ihre positiven Seiten (will ich jedenfalls so sehen!), denn der von mir verehrte Dr. Herbert Grieshop hat seinen Bücher-Vlog reaktiviert: https://herbertliest.wordpress.com.
Mit der Vorstellung von „Marzahn mon amour“ hat er mir eine große Freude gemacht.

Mein Fazit:
Lebensfroh, herzenswarm, liebevoll, humorvoll, nachdenklich. Die Geschichten einer ungemein sympathischen Frau und ihrer Kunden. Lesen, Leute, lesen!

Kliesch, Vinvent: Auris (1)

Genre: Krimi

Kurzbeschreibung:
Die kleinste Abweichung im Klang einer Stimme genügt dem berühmten forensischen Phonetiker Matthias Hegel, um Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Zahlreiche Kriminelle konnten mit seiner Hilfe bereits überführt werden. Hat der Berliner Forensiker nun selbst gelogen? Allzu freimütig scheint sein Geständnis, eine Obdachlose in einem heftigen Streit ermordet zu haben. Die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge, darauf spezialisiert, unschuldig Verurteilte zu rehabilitieren, will unbedingt die Wahrheit herausfinden. Doch als sie zu tief in Hegels Fall gräbt, bringt sie nicht nur sich selbst in größte Gefahr … Der Start einer neuen Thriller-Reihe von Vincent Kliesch und Sebastian Fitzek – rund um die junge True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge und das faszinierende Thema forensische Phonetik.

Meine Einschätzung:
Bin nicht gerade ein Fitzek-Fan und dass er der Ideengeber der Geschichte ist, hat mich eher abgeschreckt, aber das Thema forensische Phonetik finde ich einfach super interessant und der Autor hat das auch spannend inszeniert mit einigen Überraschungsknalleffekten.
Dazu gibt es auch ein Hörspiel und ich glaube, dass werde ich mir auch noch anhören, auch wenn ich die Geschichte ja nun schon kenne.

Mein Fazit:
Spannender, interessanter, moderner Krimi, der mich fasziniert hat.

Münzer, Hanni: Honigtod


Genre: Hörspiel, historischer Roman

Kurzbeschreibung:
Wie weit geht eine Mutter, um ihre Kinder zu retten? Wie weit geht eine Tochter, um ihren Vater zu rächen? Wie kann eine persönliche Tragödie Generationen überdauern? Und kann man diese alte Wunde heilen?
Als sich die junge Felicity auf die Suche nach ihrer Mutter macht, stößt sie dabei auf ein lang verborgenes Geheimnis ihrer Familiengeschichte. Ihre Nachforschungen führen sie zurück in das dunkelste Kapitel unserer Vergangenheit und zum dramatischen Schicksal ihrer Urgroßmutter Elisabeth und deren Tochter Deborah. Ein Netz aus Liebe, Schuld und Sühne umfing beide Frauen und wirft bis in die Gegenwart seine Schatten…

Meine Einschätzung:
Über die Geschichte will ich nicht viel verraten. Die Großmutter stirbt und die Tochter findet im Nachlass etwas äußerst Verstörendes, dass sie ihre Familie wortlos verlässt. Die Tochter reist ihr nach und gemeinsam erfahren sie, was der Familie und besonders den Frauen der vorangegangenen Generationen im Nazireich widerfuhr.
Ich habe schon einige Romane, die sich mit Familien-Schicksalen in der Nazi-Zeit beschäftigen, gelesen und immer wieder berühren mich diese Geschichten sehr. Bei „Honigtod“ war das nicht anders. Die Geschichte hat mich förmlich eingesaugt …
Nicht zuletzt die grandios gelungene Umsetzung als Hörspiel hat dazu geführt, dass ich mehrfach lachend, aber auch ungläubig stöhnend und schiefend und heulend gebügelt habe und Auto gefahren bin.
DAS IST WAHRLICH KINO FÜR DIE OHREN GEWESEN!!!!!!
Die Regie der Dialoge, die Sprecherinnen und Sprecher, die Geräusche, die Musik … Besser geht es meiner Meinung nach kaum!

Mein Fazit:
Ich kann Euch dieses Hörspiel nur allerwärmstens ans Herz legen. Hört Euch das an, hört Euch diese berührende Geschichte an, die von Frauen erzählt, die keine Superheldinnen waren, sondern ganz normale Frauen, die Fehler machten, dafür büßsten, sich opferten, unendlich leiden mußten und doch irgendwie weiter machten.
ABSOLUT GROSSARTIG!

Meyer, Kai: Das zweite Gesicht


Genre: inszeniertes Hörbuch, Thriller, historisch

Kurzbeschreibung:

Berlin in den Zwanziger Jahren: eine Stadt zwischen Glamour, Armut und Aberglauben. Als die Stummfilm-Diva Jula Mondschein stirbt, übernimmt ihre Schwester Chiara deren letzte Rolle – und begibt sich dadurch in eine Welt, die für sie ebenso fremd wie faszinierend ist. Einmal im Rampenlicht, fällt es ihr schwer, dieses wieder zu verlassen. Doch je tiefer sie in die großen Fußstapfen ihrer Schwester tritt, desto mehr wird ihr klar, dass deren Tod kein Zufall war – und Ruhm in dieser Stadt seinen Preis hat.

Meine Einschätzung:
Ich bin ja ein großer Kai Meyer Fan, denn seine Romane sind in meinen Augen allesamt interessant und spannend, weil er sie nicht in ein bewährtes Schema presst und seine Bücher und auch die Serien alle ihren ganz eigenen Charme haben, mich überraschen, manchmal auch anstrengen, aber auf jeden Fall faszinieren.
Der Roman zu diesem Hörbuch ist auch schon 2002 erschienen, also vor eeeewigen Zeiten ;-), aber das Thema, nämlich die Filmszene im Berlin der 20iger Jahre, absolut zeitlos. Und wo ich gerade darüber nachdenke … in Zeiten von Mr. Weinstein und der Hollywood-Industrie sogar aktueller denn je?
Die Geschichte braucht eine Weile, bis sie an Fahrt aufnimmt und ehrlich gesagt war mir die Hauptfigur Chiara die ganze Zeit über unsympathisch. Aber ich war fasziniert von der morbiden, düstereren Grundstimmung und den überraschenden Wendungen, die die Geschichte nahm und in meiner Erinnerung tauchten immer wieder Filmszenen alter Stummfilme wie z.B. Nosferatu auf, die ich in meiner Jugend gesehen habe. Seit wann werden die eigentlich nicht mehr im Fernsehen gezeigt? Großartig. Auch wieder Kino für die Ohren :-).
Nicht soooo begeistert war ich von der Sprecherin Luise Helm, war aber daran liegen mag, dass ich grundsätzliche männliche Sprecher lieber höre.
Man kann ja dem amazon-Konzern kritisch gegenüber stehen, aber die exklusiven Hörbuchlesungen oder auch Hörspiele, die ich bisher gehört habe, waren wirklich super und wenn ich Ankündigungen neuer Hörbuch/Hörspiel-Projekte sehe, dann greife ich inzwischen fast immer gleich zu, auch wenn mich früher der Autor/die Autorin oder das Thema nicht besonders interessiert hätte, einfach weil sie gut gemacht sind. Und auch die Tatsache, dass sie auch Romanvorlagen, die nicht den aktuellen Bestsellerlisten entstammen, umsetzen ist ein großer Pluspunkt (Auf meiner höre-ich-demnächst steht z.B. David Eddings Belgariad-Saga).

Mein Fazit:
Faszinierender Thriller von Kai Meyer als großartig inszeniertes Hörbuch. Hören, meine Herrschaften!

Gilbers, Harald: Odins Söhne (2)


Genre: Krimi, historisch

Reihenfolge der Serie:
Teil 1: Germania
Teil 2: Odins Söhne
Teil 3: Endzeit

Kurzbeschreibung:
Kommissar Oppenheimer ist untergetaucht und muss sich mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser halten. Als dabei ein brutaler Mord geschieht, wird seine Unterstützerin Hilde verhaftet, denn der Tote ist ihr Ehemann, SS-Hauptsturmführer Erich Hauser. Zwar sind die beiden seit Jahren getrennt, doch Hilde als Regimegegnerin hätte ein Motiv: Der skrupellose Mediziner Hauser war KZ-Lagerarzt im Osten und hat dort Versuche an Menschen durchgeführt. Oppenheimer muss alles riskieren, um Hilde aus den Fängen der NS-Justiz zu retten. Schon bald findet er Hinweise darauf, dass ein mysteriöser Kult in den Mordfall verstrickt ist …

Meine Einschätzung:
Auch der zweite Teil der Serie über den jüdischen Ex-Polizisten, der während der Nazi-Herrschaft in Berlin untertaucht, hat mich gefesselt. Der Autor hat interessante Charaktere erschaffen, die die Geschichte der Nazi-Herrschaft gegen Ende des Zweiten Weltkrieges lebendig werden lassen. Wie dramatisch die Lage der Menschen damals gewesen sein muß, was es bedeutete, als Jude untergetaucht zu sein, von seiner Frau getrennt zu werden, immer in Gefahr zu sein, entdeckt zu werden schildert der Autor wirklich eindrücklich. Und dass, ohne dabei pathetisch zu werden.
Manchmal mußte ich ganz schön schlucken, wenn die ganze Grausamkeit der Nazis ans Licht kommt, obwohl sie mir natürlich bekannt ist. Aber vielleicht leben wir in einer Zeit, in der man nicht oft genug darauf hinweisen kann?

Mein Fazit:
Absolute Leseempfehlung von mir!

Herrmann, Elisabeth: Totengebet (5)


Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie: Joachim Vernau
Teil 1: Das Kindermädchen
Teil 2: Die 7. Stunde
Teil 3: Die letzte Instanz
Teil 4: Versunkene Gräber
Teil 5: Totengebet
Teil 6: Requiem für einen Freund

Kurzbeschreibung:

Berlin, 2015. Anwalt Vernau erwacht im Krankenhaus und kann sich an nichts mehr erinnern. Dafür ist er der Held von Berlin: In einer U-Bahnstation hat er mehrere Männer in die Flucht geschlagen, die einen älteren Herrn bedrängt haben. Aber wer ist die junge Frau mit dem Davidstern, die seitdem durch seine Erinnerung geistert? Und was hat sie mit den schrecklichen Morden zu tun, die sich wenig später ereignen? Als Vernau der schönen Unbekannten zu nahe kommt, wendet sich das Blatt: plötzlich steht er unter Mordverdacht. In letzter Sekunde kann er das Land verlassen, sein Ziel: Tel Aviv. In der brodelnden Metropole am Mittelmeer sucht er nach dem einzigen Menschen, der ihn entlasten kann – und wird hinabgezogen in den Strudel eines vergessenen Verbrechens, das sich vor über dreißig Jahren in einem Kibbuz in Israel ereignet hat …

Meine Einschätzung:

Joachim Vernau ist ein Pechvogel, wie er im Buche steht. Eben noch der Held des Tages, steht er plötzlich unter Mordverdacht und kann sich obendrein an nichts mehr erinnern. Um der Sache auf den Grund zu gehen und seine mysteriöse Mandatin zu finden, reist er nach Israel und besucht den Kibbuz, in dem er einige Monate in seiner Jugend arbeitete.
Die Autorin konnte zu diesem Thema auf eigene Erfahrungen zurückgreifen und hat wohl auch eine Recherchereise nach Israel unternommen. Es gelingt ihr wunderbar, Tel Aviv zu schildern, die Atmosphäre im Kibbuz vor 30 Jahren und den heutigen israelischen Alltag. Dabei ist sie vollkommen unpolitisch, nimmt keine Stellung, sondern ist eine aufmerksame Beobachterin, ohne ihre eigene Meinung dem Leser aufzudrängen. Das hat mir auch richtig gut gefallen.
Die Geschichte ist wieder richtig spannend, während Vernau in Israel nach seiner Mandantin sucht, untersützt ihn Marie-Luise in Berlin und hält ihm den Rücken frei. und die Geschichte nimmt ein paar überraschende Wendungen.
Nur das Ende kam mir etwas zu schnell und da hätte ich mir drei/vier Seiten mehr gewünscht :-).
Elisabeth Herrmann ist eine meiner deutschen Lieblingsschriftstellerinnen, die Geschichten schreibt, die voller Farbe, Gerüche und Details sind und die mit Vernau einen wunderbaren Anti-Helden erdacht hat.

Mein Fazit:
Eine absolute Leseempfehlung von mir. Elisabeth Herrmanns Krimis sind spannend, gut recherchiert und sehr unterhaltsam.

Kerr, Philip: Alte Freunde, neue Feinde

Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie: Ein Fall für Bernhard Gunther
Teil 1: Feuer in Berlin
Teil 2: Im Sog dunkler Mächte
Teil 3: Alte Freunde, neue Feinde
Teil 4: Das Janus-Projekt
Teil 5: Das letzte Experiment
Teil 6: Die Adlon-Verschwörung
Teil 7: Mission Walhalla
Teil 8: Böhmisches Blut
Teil 9: Wolfshunger

Kurzbeschreibung:

Im bitterkalten Winter 1947 blühen die Schwarzmarktgeschäfte. Gern verläßt Gunther die Stadt, um in Wien im Fall eines ermordeten Nazijägers zu recherchieren.

Meine Einschätzung:

Berhard Gunther hat es irgendwie geschafft, den zweiten Weltkrieg zu überleben. Was ihm während dieser Zeit zugestoßen ist und wie er überleben konnte, wird immer nur kurz angerissen, aber nie ausführlich erzählt. Dafür schildert der Autor das Leben des Protagonisten im zerstörten Berlin. Dann erhält er den Auftrag, die Unschuld eines ehemaligen Polizei-Kollegen, der inzwischen Schwarzmarktgeschäfte in Wien betreibt, zu beweisen und gerät zwischen die Fronten der alliierten Geheimdienste.
Obwohl ich die Geschichte sehr spannend und auch die Schilderungen der Aufklärung der Naziverbrechen sehr interessant fand, hat mich der „Fall“ an sich total verwirrt und etwas überfordert. Zuviele Geheimdienste, zuviele verschiedene Interessen, zuviele Lügen und zuviele Namen ;-).
Aber insgesamt finde ich die Art und Weise, wie Kerr die Geschichte aufbereitet, interessant und mittlerweile habe ich mich auch an den ruppigen Stil gewöhnt und lese einfach darüber hinweg, weil ich unbedingt wissen will, wie es weiter geht.

Mein Fazit:
Philip Kerr erzählt von zerbombten Städten, marodierenden Soldaten, rivalisierender Militärpolizei und Geheimdiensten, untergetauchten Nazi-Verbrechern, Schwarzmarkthändlern, Prostituierten im gewohnt rauen Stil. Etwas verwirrend, aber spannend.

Die ersten drei Bände der Serie gibt es übrigens auch als Sammelband: Die Berlin-Trilogie: Feuer in Berlin. Im Sog der dunklen Mächte. Alte Freunde – neue Feinde„>

Kerr, Philip: Im Sog dunkler Mächte


Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie: Ein Fall für Bernhard Gunther
Teil 1: Feuer in Berlin
Teil 2: Im Sog dunkler Mächte
Teil 3: Alte Freunde, neue Feinde
Teil 4: Das Janus-Projekt
Teil 5: Das letzte Experiment
Teil 6: Die Adlon-Verschwörung
Teil 7: Mission Walhalla
Teil 8: Böhmisches Blut
Teil 9: Wolfshunger

Kurzbeschreibung:

Berlin, heißer Sommer 1938. Ein Wahnsinniger hat fünf junge Mädchen auf die gleiche bestialische Weise umgebracht. Von SS-Standartenführer Heydrich ins Prinz-Albrecht-Palais zitiert, hat Gunther keine andere Wahl: er geht auf Mördersuche.

Meine Einschätzung:

Eine Serie brutaler Mädchenmorde bringt die Verantwortlichen der Berliner Polizei dazu, den Privatermittler Gunther wieder in den Polizeidienst zu zwingen. Wie schon im ersten Band macht sich Gunther auf unkonventionelle Weise auf die Suche nach einem Serienkiller und gerät dabei immer wieder mit seiner schnodderigen Art in die Gefahr ermordert, eingesperrt oder schlimmeres zu werden …
Kerr bleibt seinem Stil und seinem Ermittler treu. Mir persönlich hat diese Geschichte besser gefallen, als der erste Teil. Obwohl relativ schnell klar wird, in welche Richtung die Ergebnisse der Ermittlungen zeigen, bleibt es spannend.
Diese mörderische Geschichte erzählt vom Wahnsinn der Nazi-Zeit, im übertragenen und wörtlichen Sinn und mir scheint, dass solche Geschichten noch immer nicht genug erzählt wurden!

Mein Fazit:
Brutale Mädchenmorde, der Wahnsinn der Nazi-Zeit, der aufziehende Schatten eines Weltkrieges, ein zynischer Ermittler, eine sehr ruppiger Erzählstil, das muß der Leser aushalten können.

Die ersten drei Bände der Serie gibt es übrigens auch als Sammelband: Die Berlin-Trilogie: Feuer in Berlin. Im Sog der dunklen Mächte. Alte Freunde – neue Feinde„>

Kerr, Philip: Feuer in Berlin

Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie: Ein Fall für Bernhard Gunther
Teil 1: Feuer in Berlin
Teil 2: Im Sog dunkler Mächte
Teil 3: Alte Freunde, neue Feinde
Teil 4: Das Janus-Projekt
Teil 5: Das letzte Experiment
Teil 6: Die Adlon-Verschwörung
Teil 7: Mission Walhalla
Teil 8: Böhmisches Blut
Teil 9: Wolfshunger

Kurzbeschreibung:
n seiner Berlin-Trilogie um den Privatdetektiv Bernhard Gunther schafft es Philipp Kerr, in der Form des spannenden Kriminalromans die schmutzig-düstere Atmosphäre der Nazi- und Post-Nazi-Zeit in Berlin zu beschwören. Geschickt verwebt er die historischen Ereignisse und ihre Protagonisten mit seinen Kriminalgeschichten – eine atemberaubende Mischung.

Meine Einschätzung:

Naja, der Klappentext ist ja nicht gerade aussagekräftig. Hmpf. Dann muß ich mir wohl Mühe mit einer kurzen Beschreibung geben…

Der Berliner Ex-Polizist Berhard Gunther schlägt sich im Berlin der 30iger Jahre mit einer Privatdetektei mehr schlecht als recht durch. Der Autrag eines reichen Industriellen mit einer großzügigen Bezahlung kommt ihm ganz Recht. Dessen Tochter und Schwiegersohn wurden bei einem Raubmord getötet und ein kostbares Edelstein-Collier wurde entwendet und nun möchte der Vater das Collier zurück.
Gunther stößt auf einige Ungereimtheiten bei seinen Ermittlungen und gerät selbst in große Gefahr.

Philip Kerr ist für mich kein unbekannter Autor. In den 90igern habe ich einige seiner Thriller gelesen (z.B. Das Wittgensteinprogramm oder Game over) und kann mich dunkel daran erinnern, dass die Bücher sehr spannend waren und besonders der Göga* hat sie damals verschlungen.
„Die Feuer von Berlin“ sind eher zufällig auf meiner Leseliste gelandet und ich bin nahezu ohne Erwartungen gestartet, was wahrscheinlich ganz gut war …

Der Schreibstil des Autors in diesem Roman (und sicher auch in den folgenden Büchern der Serie) ist nicht gerade feinsinnig und geschliffen, sondern ganz schön deftig mit einigen irritierenden Vergleichen.
Die Geschichte wird in der ICH-Form von Gunther erzählt und diesem verleiht der Autor eine sehr zynische, derbe Stimme. Das muß man wirklich mögen und ich habe mich mehrfach beim Lesen geschüttelt. Vielleicht ist dieser Roman einfach ein „Männer“-Buch, denn mein Göga hat sich kein bisschen an diesem Stil gestört???
Außerdem geht es sehr brutal zu und die Schilderungen des KZ-Aufenthaltes des Protagonisten waren für mich nur schwer zu ertragen, aber ich glaube nicht, dass der Autor übertrieben hat.
Die Schilderung Berlins und seiner Bevölkerung in dieser turbulenten Zeit hat mir wiederum sehr gut gefallen, die Ermittlungen von Gunther sind unglaublich spannend, wenn mir seine Begegnungen mit einigen Nazi-Größen auch etwas übertrieben vorkamen und so habe ich Seite für Seite verschlungen.
Außerdem mochte ich diesen schnodderigen, zynischen Typen, der ständig eins auf die Nase bekommt.

Die ersten drei Bände der Serie gibt es übrigens auch als Sammelband: Die Berlin-Trilogie: Feuer in Berlin. Im Sog der dunklen Mächte. Alte Freunde – neue Feinde„>

Mein Fazit:
Die Berlin-Serie mit dem Privatermittler Berhand Gunther ist brutal, zynisch, spannend, aber ganz sicher nichts für zartbesaitete Leser, die Wert auf eine angenehme Sprache legen.

*Göga = Göttergatte 😉

Williams, Beatriz: Das geheime Leben der Violet Grant


Genre: Roman

Kurzbeschreibung:
Manhattan, 1964. Vivian Schuyler hat das Undenkbare getan: Sie hat dem glamourösen Upperclass-Leben ihrer Familie den Rücken gekehrt, um Karriere als Journalistin zu machen. Als sie herausfindet, dass sie eine skandalumwitterte Großtante hat, ist ihr Spürsinn geweckt …
Berlin, 1914. Die junge Physikerin Violet erträgt ihre Ehe mit dem älteren Professor Grant nur, um ihren Forschungen nachgehen zu können. Doch plötzlich bricht der Erste Weltkrieg aus – und ein geheimnisvoller Besucher stellt Violet vor eine Entscheidung mit dramatischen Folgen.

Meine Einschätzung:
Ein zufälliger Glücksgriff!!! Was für ein wundervolles, spannendes, interessantes, unterhaltsames Buch!!!
In diesem Roman wird die Geschichte zweier Frauen einer reichen New Yorker Familie erzählt, die sich beide emanzipieren. Violet 1914 und Vivian in den 60igern. Vivian erzählt ihre Geschichte selbst, in einem leicht schnodderigen, witzigen, selbstironischen Tonfall, den ich wunderbar fand.
Ich werde hier absolut nichts über diese Geschichte verraten, denn sie ist spannend, unvorhersehbar, tragisch, romantisch und witzig.
Liebe – Verrat – Freundschaft – Sex verbinden die Schicksale dieser beiden tollen Frauen.

Mein Fazit:
Eines meiner Lesehighlights in meinem bisherigen Lesejahr! Großartig. Wer „Gute Geister“ mochte, wird „Das geheime Leben der Violet Grant“ auch mögen.

Fitzek, Sebastian: Noah

Genre: Thriller, Hörbuch

Kurzbeschreibung:
Zur Geburt Jesu Christi lebten 300 Millionen Menschen auf unserem Planeten. Heute sind es sieben Milliarden. Wie viel ist zu viel? Sie wissen nicht, wer Sie sind. Sie wissen nicht, was Sie in der Stadt wollen, in der Sie sich gerade befinden. Sie wissen nicht, warum Sie auf der Straße leben. Sie wissen nicht, warum in ihrer Schulter eine frische Schusswunde verheilt. Sie wissen nur: Jemand wollte Sie töten. Und Sie wissen auch: Er wird es wieder versuchen. Weil Sie ein Geheimnis in sich tragen, von dem das Schicksal der gesamten Welt abhängt. Werden Sie sich erinnern, bevor es zu spät ist?

Meine Einschätzung:

Auf die Psychothriller mit Serienmörderfunktion von Fitzek hatte ich bisher keine Lust, aber Verschwörungsthrillern bin ich ja nicht abgeneigt und deshalb ist „Noah“ auf meinen Ohren gelandet.
Der erste Teil des Thrillers hat mir sehr, sehr gut gefallen. „Noah“ wird von einem Obdachlosen in Berlin mit einer Schußwunde in der Schulter gefunden und gepflegt. Er hat sein Gedächtnis verloren und nur ein schlampig gemachtes Tattoo auf seiner Hand gibt ihm seinen Namen Noah.
Oskar kennt sich auf der Straße aus und ist mein persönlicher Held ;-). Wie die beiden schrägen Typen sich im eisekalten, winterlichen Berlin durchschlagen und dann von Profikillern verfolgt werden, wird unglaublich spannend geschildert. Super!
Der zweite Teil, über den ich natürlich nichts verrate, konnte mich dagegen nicht so recht überzeugen. Ich, ganz persönlich fand die neu hinzugekommene Hauptfigur unglaubwürdig und vollkommen überzeichnet und bei der Auflösung einer bestimmten Szene war mir zuuuuuuuuuuuuuuuu viel Zufall im Spiel. Die beiden weiblichen Figuren, die eine tragende Rolle spielen, hat der Autor auch nicht wirklich überzeugend ausgearbeitet. Nun weiß ich nicht, ob das an der gekürzten Hörbuchfassung liegt, aber ich konnte mir keine der beiden Damen vorstellen. Schade eigentlich.
Fitzeks weltumspannende Verschwörungstheorie konnte mich auch nicht so ganz überzeugen und am meisten hat mich gestört, dass mal wieder der amerikanische Präsident von allem und nichts wußte. Himmmel! Fällt den Thriller-Autoren denn nichts Neues ein? Amerika ist doch nicht die einzige Weltmacht, die überall ihre Finger drin hat, oder? *schimpf*
Außerdem hat mich das ganze Thema sehr an „Inferno“ von Dan Brown erinnert.
Das Ende fand ich dagegen wieder prima!
Richtig gut gefallen hat mir auch der Sprecher „Simon Jäger“. Der liest die Geschichte grandios und gibt den Charakteren eine eigene Stimme und hat mich mit seiner Lesung bei der Stange gehalten, auch wenn ich über die Story die Stirn gerunzelt habe.

Mein Fazit:
„Noah“ ist ein spannungs- und actionreicher Thriller, der mich aber nicht komplett überzeugen konnte.

Gilbers, Harald: Germania

Genre: Roman, Krimi

Kurzbeschreibung:
In der zerbombten Reichshauptstadt macht ein Serienmörder Jagd auf Frauen und legt die verstümmelten Leichen vor Kriegerdenkmälern ab. Alle Opfer hatten eine Verbindung zur NSDAP. Doch laut einem Bekennerschreiben ist der Täter kein Regimegegner, sondern ein linientreuer Nazi. Der jüdische Kommissar Richard Oppenheimer, einst erfolgreichster Ermittler der Kripo Berlin, wird von der Gestapo reaktiviert. Für Oppenheimer geht es nicht nur um das Überleben anderer, sondern nicht zuletzt um sein eigenes. Womöglich erst recht dann, wenn er den Fall lösen sollte. Fieberhaft sucht er einen Ausweg aus diesem gefährlichen Spiel.

Meine Einschätzung:
Das Leben in Berlin im ständigen Bombardement gegen Ende des zweiten Weltkrieges muß furchtbar gewesen sein. Der Autor beschreibt das sehr detailreich, bildhaft und beklemmend. Noch viel schlimmer ergeht es den noch verbliebenen Juden, die in kleinen „Judenhäusern“ zusammengepfercht werden, keinen Anspruch auf Nahrungsmittelkarten haben und jeden Tag abgeholt werden können. Als nachts plötzlich die SS in Oppenheimers Schlafzimmer steht, rechnet er nicht ernsthaft damit, den nächsten Tag zu erleben.
Aber ein junger Nazi-Offizier, der mit den Ermittlungen einer heiklen Mordserie betraut wurde, braucht die Unterstützung des erfahrenen Ermittlers und so balanciert der jüdische Kommissar auf einem haarscharfen Schwert, immer bedroht durch seine Herkunft.
Mich hat dieser Roman begeistert! Der Autor schafft es, die trostlose, angsterfüllte, misstrauische Stimmung der Berliner Bevölkerung einzufangen. Die hoffnungslose Lage der Juden, die bizarre Weltanschauung der Nazis, den in alle Lebensbereich hineinragenden Parteiapparat, die Nazi-Progaganda im Gegensatz zu den heimlich übermittelten Nachrichten, all das vermittelt er dem Leser überzeugend, ohne dabei belehrend zu sein. Das hat mir richtig gut gefallen.
Auch der Kriminalfall wird von Harald Gilbers spannend und nachvollziehbar aufbereitet und der Leser kann den Ermittlern Schritt für Schritt folgen – durch ein zerstörtes Berlin.
Die Hauptfiguren Oppenheimer, der Nazi-Offizier Vogler und die Widerstandskämpferin Hilde sind interessante, dreidimensionale Figuren, deren Gedanken und Handlungen mich bewegt haben. Einzig Oppenheimers Ehefrau bleibt leider etwas blass.
Der Schreibstil des Autors ist irgendwie unaufgeregt und flüssig lesbar und ausnehmend gut gefällt mir auch das schwarz-weiße Cover.

Mein Fazit:
Wer heute Berlin besucht, mit seinen prachtvollen Plätzen und Bauten, vergißt leicht (oder weiß vielleicht nicht), dass die Stadt und ihre Bewohner vor 70 Jahren einen Weltuntergang erlebten. Harald Gilbers Roman trägt dazu bei, das nicht zu vergessen. Ich sage nur: LESEN!

Herrmann, Elisabeth: Versunkene Gräber


Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie: Joachim Vernau
Teil 1: Das Kindermädchen
Teil 2: Die 7. Stunde
Teil 3: Die letzte Instanz
Teil 4: Versunkene Gräber
Teil 5: Totengebet

Kurzbeschreibung:
Verschollene Briefe, eine alte Familiengruft und ein grausamer Mord –
Anwalt Vernau kommt einem düsteren Geheimnis auf die Spur
Einige Jahre sind vergangen, seit Anwalt Joachim Vernau den Drahtziehern eines Mordkomplotts das Handwerk gelegt hat. Auch die gemeinsame Kanzlei mit seiner Ex-Partnerin Marie-Luise ist längst Geschichte. Bis ihn ein Hilferuf aus Polen erreicht: Jazek, der gemeinsame Freund aus längst vergangen Tagen und durchzechten Nächten, sitzt mit einer Mordanklage im Gefängnis und beteuert seine Unschuld. Vernau ist entschlossen, Jazek zu helfen, und reist nach Polen. Versunkene Gräber auf einem alten Friedhof sind die erste Spur. Verlorene Briefe und vergessenes Leid ziehen Vernau immer weiter hinein in den Strudel der Ereignisse des Jahres 1945. Flucht und Vertreibung, Ende und Neuanfang – damals kreuzten sich die Schicksale von Tätern und Opfern, und Entsetzliches geschah. Doch erst Generationen später steigt das Grauen noch einmal aus dem Grab, und wer sich ihm entgegenstellt, muss sterben.

Meine Einschätzung:
Hach, endlich mal eine gute Kurzbeschreibung, die nicht zu viel verrät und die Geschichte gut beschreibt.
Frau Herrmanns Krimi mit dem chaotisch-liebenswerten Berliner Anwalt Vernau führt dieses Mal nach Polen und sie beweist wieder, wie wunderbar sie Orte und Stimmungen beschreiben kann. Das verfallene Landgut mit seinen halbrevonierten Räumen, der vernachlässigte Weinberg, die Landschaft, die polnischen Ortschaften, ich habe das vor mir gesehen. Schön gruftig-gruselig sind auch die Szenen auf und an dem verfallenen Friedhof, eingesunkene Grabstellen, verfallene Grabstätten, muffig-düstere Gruften, … Sensationell ist der Ausflug von Vernaus Mutter und ihrer Freundin Hütchen in ein Seniorenstift – nur zur Recherne natürlich 😉 – erzählt, die Mitbewohner, die Stimmung, die Gerüche, ….
Der historische Hintergrund dieses Buches, nämlich die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Schlesien, das Ende des zweiten Weltkrieges und die komplizierten völkerrechtlichen Konsequenzen mögen vielleicht einigen Lesern „langweilig“ und/oder „zu oft gelesen“ erscheinen. Mir wurde aber nach dem Zuklappen dieses Buches klar, dass die menschlichen Schicksale, die hinter diesen historischen Ereignissen stehen, die Schicksale meiner gesamten Großeltern-Generation höchstpersönlich waren. Als Kind habe ich deren Erzählungen nicht aufmerksam genug zugehört, aber jetzt interessiert es mich sehr, wo meine Großeltern und Urgroßeltern her kamen und wie sie diese Zeit erlebten. Leider kann ich das nur noch aus „Zweiter Hand“ erfahren, aber mein Vater ist begeistert von meinem plötzlichem Interesse :-).
Einzig die Darstellung der „Täter“ erschien mir etwas überzogen, da hat die Autorin ein wenig übertrieben, aber andererseits gibt es ja wirklich die verrücktesten Gestalten … ;-).

Mein Fazit:
Frau Herrmann hat sich mit dieser Fortsetzung der Vernau-Krimi-Reihe selbst übertroffen. Hoffentlich läßt sie sich mit dem nächsten Teil nicht wieder so viel Zeit :-).

Herrmann, Elisabeth: Das Dorf der Mörder

Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie Sanela Beara:
Teil 1: Das Dorf der Mörder
Teil 2: Der Schneegänger

Kurzbeschreibung:
Ein grausamer Mord ereignet sich im Berliner Tierpark. Eine der Ersten, die am Tatort eintrifft, ist die junge Streifenpolizistin Sanela Beara: ehrgeizig, voller Tatendrang und entschlossen, dem Fall auch gegen den Willen ihres Vorgesetzten auf den Grund zu gehen. Denn die Schuldige ist schnell gefasst – zu schnell, wie Sanela glaubt. Während der Öffentlichkeit die geständige Mörderin Charlie Rubin präsentiert wird, hat Beara Zweifel. Zweifel, die auch den Psychologen Jeremy Saaler plagen, der ein Gutachten über Charlies Zurechnungsfähigkeit erstellen soll. Unabhängig voneinander haben beide den gleichen Verdacht: Der Mord im Tierpark hängt mit Charlies Kindheit in einem kleinen Dorf in Brandenburg zusammen. Ein dunkles, mörderisches Rätsel lockt sie nach Wendisch Bruch – direkt ins Visier eines Gegners, der die Totenruhe im Dorf um jeden Preis bewahren will …

Meine Einschätzung:
Das kann sie wirklich gut, die Autorin, die Stimmung eines verlassenen, trostlosen Dorfes beschreiben – Wendisch Bruch. (Der Names des Ortes ist wirklich genial, habe eben mal geguckt, es gibt ihn nicht wirklich …)
Und auch die Schilderungen der Ereignisse im Tierpark oder in der psychiatrischen Praxis sind super, spannend, bildhaft, …
Außerdem baut die Autorin eine Spannung auf, die es mir kaum erlaubt hat das Buch aus der Hand zu legen, bevor ich nicht hinter alle Geheimnisse gekommen bin :-).
Und irgendwie ist das auch verblüffend, denn in der Geschichte gibt es nicht eine einzige Identifikationsfigur, die ich gemocht hätte. Alle, wirklich alle, haben ausgeprägte Macken, sind unsympathisch, anmaßend, dämlich, unheimlich, bockig, …
Außerdem habe ich ein paar Kritikpunkte, die manche kleinlich finden mögen (wahrscheinlich zurecht), die mich aber manchmal haben Grummeln lassen. Dazu gehört z.B., daß die Autorin Psychiater und Psychologen und deren Arbeit und Ausbildung durcheinander wirft, daß sie für ihre Protagonisten Namen ausgesucht hat, die so gezwungen anders wirken (sollen?) und mit einer Egge macht man auch keine Furchen!
Trotzdem, „Das Dorf der Mörder“ ist ein superspannender Krimi, den ich nur weiterempfehlen kann.

Mein Fazit:
Elisabeth Herrmann ist eine Meisterin, wenn es darum geht eine bestimmte Stimmung und Spannung zu erzeugen und deshalb macht es großen Spaß, diesen Krimi zu verschlingen.

PS: Bin schon gespannt auf den 4. Teil der Joachim Vernau-Reihe, der im Dezember erscheinen soll.

Winter, Hanna: Seelenriss

Genre: Thriller, Psychothriller

Reihenfolge der Serie:
Teil 1: Opfertod
Teil 2: Seelenriss

Kurzbeschreibung:
Ein brutaler Killer treibt sein Unwesen in Berlins Straßen. Er genießt es, zu töten. Er muss es wieder tun. Wann? Wer? Und warum? Nur Profilerin Lena Peters kann sein blutiges Geschäft beenden. Denn sie hat die Hölle am eigenen Leib erlebt und weiß: Wo Gedanken endlos kreisen, findet das Böse keine Ruhe!

Meine Einschätzung:
Was für ein seltsame, ausssagefreie Kurzbeschreibung, oder?
Konnte mich Hanna Winter mit „Seelenriss“ überzeugen? Nein, leider nicht.
Sicher, die Geschichte ist psychothrillergemäß spannend, brutal und bedrohlich, aber mich konnte sie nicht mitreißen. An so mancher Stelle waren mir die Zusammenhänge eindeutig zu konstruiert und unglaubwürdig (kann jetzt natürlich nicht verraten, an welcher Stelle…) und Lena, die Hauptfigur, die durchaus das Potential zur Identifikationsfigur hätte, ging mir irgendwann auf die Nerven. Superwomanmäßig ermittelt sie, rast hinter dem Täter her, unternimmt blödsinnige Alleingänge und immer wieder wird betont, sie sei Deutschlands beste Profilerin. Aber dafür gibt es keine Beispiele aus Lenas Vergangenheit und auch in diesem Buch erstellt sie kein vernünftiges, aussagekräftiges Profil des Täters. Grmpf.
Und dann kommt natürlich am Ende noch der große Knall (diejenigen, die das Buch gelesen haben, werden wissen, was ich meine) und da habe ich nur noch mit dem Kopf geschüttelt. Ich will es mal so ausdrücken: ich bin grundsätzlich nicht besonders glücklich, wenn Hauptfiguren ohne für mich ersichtliche Not schreckliches Leid erfahren, wie z.B. der Tod von Lynleys Frau Helen (Elisabeth George). Danach hatte ich einfach keine Lust mehr, die Folgebände zu lesen und sollte es weitere Bände dieser Serie geben – nicht für mich.
Ganz gut gefällt mir Hanna Winters Schreibstil. Meistens wird die Geschichte aus Lenas Sicht erzählt, aber andere Handlungsstränge dann aus der Sicht anderer Personen und das bringt Spannung.

Mein Fazit:
Hanna Winter schreibt spannende, brutale Psychothriller, aber für mich sind die nix.

Rahlens, Holly-Jane: Everlasting – Der Mann, der aus der Zeit fiel

Genre: Sci-Fi, Zeitreiseroman

Klappentext:
Man schreibt das Jahr 2265. Gefühle sind unerwünscht, die Liebe ist ausgestorben. Die Geburtenrate ist gefährlich gesunken. Der junge Historiker und Sprachwissenschaftler Finn Nordstrom, Spezialist für die inzwischen tote Sprache Deutsch, erhält den Auftrag, die 250 Jahre alten Tagebücher eines jungen Mädchens aus dem Berlin des 21. Jahrhunderts zu übersetzen. Öde, findet er. Und albern. Doch dann ist er zunehmend fasziniert von dem Mädchen, das quasi vor seinen Augen erwachsen wird.
Schließlich soll Finn in einem Virtual-Reality-Spiel in der Zeit zurückreisen, um das Mädchen zu treffen. Ohne es zu wissen, wird er damit zum Versuchskaninchen der Spieleentwickler. Warum schicken sie ausgerechnet ihn, den Fachmann für tote Sprachen, in die Zeit kurz vor Ausbruch der Großen Epidemie? Und was ist das für ein sonderbares Gefühlt, das ihn überkommt, wenn er der jungen Frau begegnet?

Meine Einschätzung:

Holla! Hat mir dieser Sci-Fi-Roman gut gefallen!!!! 🙂
Ich liebe es einfach, mir vorzustellen, wie unsere Welt in der Zukunft aussehen könnte und die Autorin hat überraschender Weise keine düstere, traurige Zukunft erdacht, wie es gerade in den trendigen Dystopien der Fall ist, sondern eine Welt, die durchaus lebenswert ist.
Außerdem hat sie viele liebenswerte Protagonisten erschaffen, sowohl in der Zukunft als auch in der Gegenwart, deren Entwicklung und Leben ich sehr, sehr gerne verfolgt habe. Einige sind zwar etwas überzeichnet, aber das fand ich lustig.
Begeistert bin ich auch davon, dass die Geschichte überwiegend in Berlin spielt und in der Zukunft unter anderem in Greifswald, Berlin und New York. Lachtränen hatte ich in den Augen, wenn Finn, als Fachmann, seinen Freunden Begriffe aus der Vergangenheit erklärt und dabei total daneben liegt oder sich bei der Auswahl seiner Zeitreiseklamotten um 10 Jahre vertut. *gelächter*
Gierig habe ich die Details aufgesaugt, die die Autorin in der Zukunft beschreibt: Haushaltsroboter, Brainbuttons, programmierbare Fahrräder, ach, da gibt es einfach tolle Sachen ;-).
Natürlich mag ich auch die romantische Liebesgeschichte und irgendwie hoffe ich, dass die Autorin eine Fortsetzung (ich konnte aber keinen Hinweis darauf finden???) plant, denn ich würde schon gerne wissen, wie es mit den beiden (und unserer Welt) weitergehen wird.
Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht ist das allzu rosarote Cover, das ganz sicher die gesamte männliche Leserschaft daran hindern wird, dieses Buch zu lesen. Und dabei ist es gar kein ausgewiesener Frauen/Mädchen-Roman!

Mein Fazit:
„Everlasting – Der Mann, der aus der Zeit fiel“ ist ein ganz, ganz toller Sci-Fi-Zeitreise-Roman für Romantikerinnen und Optimistinnen!

Herrmann, Elisabeth: Die letzte Instanz

Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie mit Joachim Vernau:
1. Teil: Das Kindermädchen
2. Teil: Die siebte Stunde
3. Teil: Die letzte Instanz

Kurzbeschreibung:
Eine alte Dame schießt auf einen Obdachlosen. Anwalt Joachim Vernau übernimmt ihre Verteidigung. Doch es geschehen weitere Morde. Die Fäden laufen an einem Ort zusammen: Im Landgericht Berlin. Dort, wo Taten gesühnt werden, scheint Justitia mehr als einmal versagt zu haben. Vernau steht plötzlich vor der Frage: Was ist Gerechtigkeit?

Meine Einschätzung:
Boah, es ist heute echt zu heiß für eine langatmige Rezi. Joachim Vernau ist ein liebenswerter Blödmann, dem ich aber jede Verfehlung verzeihe.

Mein Fazit:
Frau Herrmann schreibt spannende Berlin-Krimis, die mich unglaublich gut unterhalten. Warum arbeitet Sie an der Serie nicht weiter???

Herrmann, Elisabeth: Die siebte Stunde


Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie: Joachim Vernau
Teil 1: Das Kindermädchen
Teil 2: Die 7. Stunde
Teil 3: Die letzte Instanz
Teil 4: Versunkene Gräber
Teil 5: Totengebet

Klappentext:
Ein teuflisches Spiel, ein rätselhafter Selbstmord und ein quälendes Geheimnis: Als Joachim Vernau an einer Privatschule die Jura AG übernimmt, begegnen ihm die Schüler voller Feindseligkeit. Sie leben in ihrer eigenen Welt und sind fasziniert von dunklen Ritualen. Rollenspiele sind doch harmlos, denkt Vernau. Doch als er herausfindet, was hinter dem Schweigen der Schüler steckt, ist es fast schon zu spät.

Meine Einschätzung:
Wow, „Das Kindermädchen“ hat mir ja schon sehr gut gefallen, aber „Die siebte Stunde“ konnte ich kaum aus der Hand legen. Die Autorin erzählt eine superspannende Geschichte mit vielen interessanten Figuren. Joachim und Marie-Luise sind ein wunderbar schräges (berufliches) Pärchen, die beide das Herz auf dem rechten Fleck haben. Unglaublich witzig finde ich Joachims Mutter, die zusammen mit ihrer Busenfreundin/Haushälterin immer für eine Überraschung gut sind.
Das Thema Rollenspiele hat sie sehr überzeugend in die Krimihandlung eingebaut und wenn man dem Nachwort glauben darf, selbst ausprobiert. Cool.
Elisabeth Herrmann ist für mich sozusagen eine Neuentdeckung, obwohl die Vernau-Krimis schon vor ein paar Jahren erschienen sind.

Mein Fazit:
Ein Berlin-Krimi, den ich richtig toll finde.

Schulze-Lackner, Maja: Und Wunder gibt es doch – Die Geschichte einer ostpreußischen Familie

Genre: Roman, Biographie

Kurzbeschreibung:
Insterburg in Ostpreußen: Schlittenfahrten durch den eisigen Wald, glückliche Kindergesichter am Weihnachtsabend, heiße Sommer, die lebensnotwendige Ernte und rauschende Feste – daran richtet sich das Leben der Familie Lackner aus. Ein Idyll, das jäh zerbricht, als die Eltern Ida und Albert eines Tages unvermittelt aus dem Leben gerissen werden. Ihre fünf Kinder sind plötzlich zu Waisen geworden, sie wachsen getrennt voneinander auf. Doch die Kinder scheinen Schutzengel zu besitzen, sie überstehen den Ersten Weltkrieg und es scheint nicht unmöglich, dass sie sich eines Tages wiedersehen … Eine Geschichte, die das alte Ostpreußen wieder lebendig werden lässt.

Meine Einschätzung:
In diesem Roman dreht es sich um die Geschichte der Familie Lackner, die der Leser schon kennengelernt hat, wenn er „Wilde Rosen, weites Land“ gelesen hat. Die Autorin ist eine direkte Nachfahrin der Familie und ergänzt die Geschichte um einen Stammbaum, Fotos und Zeitdokumente. Das hat mir richtig gut gefallen.
Zum Stil der Autorin habe ich mich ja schon negativ geäußert und der ist auch in diesem Buch nicht anders. Schade.
Äußerst ärgerlich finde ich es auch, dass wortwörtlich Textpassagen aus „Wilde Rosen, weites Land“ übernommen wurden. Warum nur?

Mein Fazit:
Wer sich mit dem Schreibstil der Autorin anfreunden kann, wird mit einer spannenden und tragischen Familiengeschichte belohnt, die das wirkliche Leben geschrieben hat.

PS: Es gibt noch ein drittes Buch der Autorin „Solang es Träume gibt“, in dem das Leben einer ostpreußischen Gräfin, die der Leser auch schon aus den beiden anderen Büchern kennt, beschrieben wird. Aber da ich keine neuen Erkenntnisse erwarte und ich die nüchterne Erzählweise der Autorin überhaupt nicht mag, werde ich diesen Teil nicht mehr lesen.

Schulze-Lackner, Maja: Wilde Rosen, weites Land

Genre: Roman

Kurzbeschreibung:
Als die junge, in den besten Kreisen Berlins aufgewachsene Maja von Berg ihrem frisch angetrauten Ehemann, dem Gutsherrn Carl Goelder, in seine Heimat nach Ostpreußen folgt, ist sie zunächst restlos begeistert von der ländlichen Idylle: weite Landschaften, riesige Pferdekoppeln, herzliche Familienfeste, heiße Sommer – und um der langen Winterkälte zu entkommen, steht auch einer jährlichen Reise nach Venedig nichts im Weg. Doch nicht immer ist das Glück dem jungen Paar so gewogen, und der Erste Weltkrieg lässt die schon seit Jahren andauernden Sorgen der Familie Goelder nicht kleiner werden …

Meine Einschätzung:
Der Roman beginnt 1869 und berichtet aus dem Leben von Olga von Oerzen und deren Tochter Maria, die einen ostpreussichen Gutsherren heiratet. Die (wahre) Geschichte dieser weit verzweigten Familie und deren großem Freundeskreis (ist das grammatikalisch korrekt????) hat das Potential zu einer großartigen Familiensaga. Da gibt es eine böse, versnobte, adlige Schwiegermutter, gestiftete Ehen, betrogene Ehefrauen, die ersten Blaustrümpfe der Frauenbewegung, pferdenärrische Gutsherren, eine Liebesheirat, dramatische Unfälle, Tod und Verzweiflung, aber auch Hoffnung, Freude und Liebe. Ein Autor könnte sich die Figuren nicht besser ausdenken.
Aber – leider macht die Autorin nichts daraus. Nicht umsonst habe ich geschrieben „berichtet“ aus dem Leben, denn die Autorin erzählt die Geschichte nicht, sondern beschreibt die Geschehnisse nüchtern, ohne jeglichen Glanz und Stil.
Das glanzvolle Leben im kaiserlichen Berlin, die weite, wundervolle Landschaft Ostpreussens, das idyllische Landleben, die politischen und gesellschaftlichen Besonderheiten dieser Zeit und nicht zuletzt die spannende Familiengeschichte würde ich am liebsten selbst als Vorlage nehmen und weiter ausspinnen, aber ich bin natürlich keine Autorin ;-).

Mein Fazit:
Vor vielen Jahren habe ich Christine Brückners „Quint-Trilogie“ verschlungen und geliebt, aber meine Hoffnung auf ein vergleichbares Werk von Maja Schulze-Lackner wurde nicht erfüllt.

PS: Sobald meine Heckenrosen blühen und duften, werde ich „Die Quints“ mal wieder hervorkramen …

Herrmann, Elisabeth: Das Kindermädchen


Genre: Krimi

Reihenfolge der Serie: Joachim Vernau
Teil 1: Das Kindermädchen
Teil 2: Die 7. Stunde
Teil 3: Die letzte Instanz
Teil 4: Versunkene Gräber
Teil 5: Totengebet

Klappentext:
Joachim Vernau ist ganz oben in der Berliner Gesellschaft angekommen. Er steht kurz davor, in die wohlhabende und einflussreiche Familie der von Zernikows einzuheiraten, nicht ahnend, dass ihre Ehrbarkeit nicht viel mehr als Fassade ist. Als eine ukrainische Frau auftaucht und behauptet, die von Zernikows haben im Zweiten Weltkrieg eine Zwangsarbeiterin beschäftigt, lässt das Familienoberhaupt sie kurzerhand rauswerfen – nur wenig später wird sie tot aus dem Landwehrkanal gefischt. Vernau beginnt, unangenehme Fragen zu stellen und kommt nicht nur der Identität der Frau, sondern auch dem lukrativen Geschäft mit enteigneter Kunst auf die Spur …

Meine Einschätzung:
Sehr schön, der Stil von Frau Herrmann gefällt mir ausnehmend gut. Besonders die witzigen Szenen fand ich grandios und habe lauthals gelacht.
Die Krimihandlung (wenn man hier eigentlich von einem Krimi sprechen sollte, ist es nicht eher eine Familiengeschichte???) war zwar etwas durchschaubar, aber es war spannend zu lesen, wie die Vergangenheit der Familie von Zernikow mit den Ereignissen in der Gegenwart zusammenhängen.
Sehr nett hat Frau Herrmann auch die Schauplätze in Berlin und die Action-Szenen beschrieben. Meine Lieblingszene ist die Kaperung der Fähre durch Joachim über einen der zahlreichen Berliner Seen mit Verfolgungsjagd und Schießerei.
Die handelnden Figuren sind auch alle interessant, wenn sie mir persönlich auch manchmal zu überzeichnet waren, um richtig glaubwürdig zu sein. Auch sonst werden in der Geschichte einige Klischees bedient, das hat mich ein klitzekleines bisschen gestört.

Mein Fazit:
Ein sehr unterhaltsamer Krimi/Familiengeschichte, der sich mit einem dunklen, wenig bekannten Thema aus der Nazi-Zeit beschäftigt.